8.12.2007–13.1.2008

DI/VISIONS. Kultur und Politik im Nahen Osten

Stimmen, Gespräche, Projektionen
Ein Programm von Catherine David.

Das Haus der Kulturen der Welt als multidimensionale Dokumentationsplattform, als Projektionsfläche und Resonanzraum: Intellektuelle, Akteure, Künstler und Filmemacher des Nahen Ostens beleuchten den Kontext, der zur gegenwärtigen Situation der „Divisions“, Ausgrenzungen und Teilungen geführt hat, und zeigen neue Wege aus der Krise auf.

Drei Generationen politischer und kultureller Akteure und Beobachter aus Nahost kommen zu Wort. Ihre Gespräche mit Catherine David sind als Großprojektionen täglich auf allen Ebenen des Hauses zu sehen. Ein Filmprogramm mit neuen Dokumentarfilmen und Miniretrospektiven erweitert den Einblick in Kultur und Politik des Nahen Ostens. An zwei Wochenenden (8. und 9. Dezember sowie 11. bis 13. Januar) wird das Haus zu einem Forum für Gespräche und Diskussionen mit Intellektuellen und Künstlern aus Ländern der Region.

Im Nahen Osten ist das lange 20. Jahrhundert gezeichnet durch Gewalt, Teilung, Vertreibung und Verlust: von der Teilung Palästinas über die Unabhängigkeitskriege bis hin zum Ersten Golfkrieg von 1990. Seit dem 11. September 2001 ist jedoch diese Geschichte der Gewalt, die auch die islamistische umfasst, zur alles beherrschenden Wahrnehmungsfolie geworden - sowohl für die „Wirklichkeit“ im Nahen Osten als auch für die kulturellen und sozialen Produktionen der Region. Zur orientalistischen Gegenüberstellung von Ost und West gesellt sich heute eine Reihe weiterer vereinfachender Gegensatzpaare wie „säkular“ und „religiös“, „moderat“ und „extremistisch“, „Demokratie“ und „Tyrannei“. DI/VISIONS möchte die vereinfachenden kulturellen und politischen Gegenüberstellungen, die die Vorstellungen über die Region prägen, hinterfragen.

Spätestens seit 1916, als Frankreich und Großbritannien die Region unter sich aufteilten, haben koloniale Grenzziehungen die Geografie, die Institutionen und die gesellschaftlichen Strukturen des Nahen Ostens geprägt. Das Auseinanderdividieren ist bis zum heutigen Tage die vorherrschende Strategie. Die gegenwärtigen Prozesse der Globalisierung und des wirtschaftlichen Neoliberalismus haben der Region neue Landschaften der Teilungen, der Ausgrenzungen und des Exils aufgeprägt. Sie werden wiederum in den gesellschaftlichen Sprachen und Praktiken von Kunst, Stadtplanung, Bildung und Medien immer wieder reproduziert. Ausgangspunkt von DI/VISIONS ist deshalb die Überzeugung, dass eine konkrete Vision nur dann entwickelt werden kann, wenn die durch „Division“ konstruierten Grenzen neu reflektiert werden.

Zu den Teilnehmern gehören die Soziologin Mona Abaza (Kairo), die Filmemacherin Hala Al Abdallah (Damaskus/Paris), der Schriftsteller und Filmemacher Sinan Antoon (Bagdad/Kalifornien), der Historiker Amnon Raz-Krakotzkin (Jerusalem), der Essayist und Verleger Pierre Abi-Saab (Beirut), der Dichter und Politikwissenschaftler Tamim Al-Barghouti (Kairo/Berlin), der Politikwissenschaftler Meron Benvenisti (Jerusalem), der Historiker Ussama Makdissi (Houston), die Literaturwissenschaftlerin Samah Selim (Marseille), der Essayist und Aktivist Wael Sawah, der Historiker Fawwaz Traboulsi (Beirut/Berlin), der Politikwissenschaftler Sherif Younis (Kairo/Berlin), der Soziologe und Politikwissenschaftler Sami Zubaida (London).

Projektleitung: Hila Peleg. Architektur: Juan Lucas Young.

In Verbindung mit dem Forschungsprogramm „Europa im Nahen Osten - Der Nahe Osten in Europa“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Fritz Thyssen Stiftung und des Wissenschaftskollegs zu Berlin. www.eume-berlin.de