Wassermusik: Black Atlantic Revisited


Fr, 05. Juli 2019 — So, 28. Juli 2019

1993, vor 25 Jahren, erschien Paul Gilroys Buch The Black Atlantic und gab damit einer Kultur einen Namen, die nicht spezifisch afrikanisch, amerikanisch, karibisch oder britisch ist, sondern alles auf einmal: eine schwarze atlantische Kultur. 2004 fand am HKW das Projekt Black Atlantic statt und stellte die Frage, wie die diasporale Geschichte des Leids Kunst und Wissen herausfordert(e), neue Formen zu finden. Auch wenn geschriebene Texte sehr bedeutend sind, sind sie nicht der beherrschende Motor der wandernden Kulturen des Black Atlantic: Es war die Musik. Denn Sklaven war das geschriebene Wort auf Todesstrafe verboten. Wassermusik-Kurator Detlef Diederichsen nimmt mit Black Atlantic Revisited Bezug auf das HKW-Projekt und stellt den Südatlantik in den Fokus seiner musikalischen Recherche.

Da es den versklavten Afrikaner*innen bis ins 19. Jahrhundert verboten war zu schreiben, diente Musik als Kommunikations- und Informationsmittel. Angetrieben durch den Willen, in der „Neuen Welt“ ihr kulturelles Erbe zu bewahren, entstand ein gemeinsames kulturelles Selbstbewusstsein. Die Praktiken der Erhaltung, Vermischung und Weiterentwicklung dieser Ausdrucksformen hatten einen maßgeblichen Einfluss auf die Entstehung von Jazz und weiteren afroamerikanisch geprägten Musikformen.

Mit den Geschichten um den „Sound“ und das „Sounding“ des Black Atlantic verflechten sich Traditionen visueller Kultur, die mit der Grenze des Sichtbaren ebenso spielen wie mit literarischen Ausdrucksweisen, die um die Grenzen des Sagbaren wissen. Diese „Künste der Dunkelheit“ lassen sich als starke Gegenkultur der westlichen Moderne verstehen.

Können Sound und Musik die für sie typischen Landschaften sichtbar machen? Welche Bedeutung hat die Improvisation in der Musik des schwarzen Atlantiks? Kann mit Hilfe der Musik einem Leben in der Diaspora – gleich welcher – analytisch Rechnung getragen werden? Wassermusik-Kurator Detlef Diederichsen stellt sich fünfzehn Jahre nach 2004 die Frage, wie die transatlantische Geschichte heute reflektiert und wie mit Musik und Rhythmen die Geschichte des Black Atlantic gegen den Strich gelesen werden kann.

Die vergangenen Ausgaben der Wassermusik beschäftigten sich mit Themen wie Wüsten (2011), Der neue Pazifik (2013), Mother India (2015) oder Die andere Karibik (2016). Unter dem Titel Goodbye UK – and Thank You for the Music spürte das Festival im letzten Jahr der „Britishness“ der Popmusik nach.

Filme auf der Dachterrasse – im Anschluss und thematisch mit den Konzerten verschränkt -, Panel-Diskussionen und der beliebte Wassermarkt runden das Open-Air Erlebnis ab. Bei schlechtem Wetter findet die Wassermusik im Foyer statt.

Konzerte, Filme

05.–28.07.2019

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