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Kuratorisches Statement

1993 veröffentlichte der britische Historiker und Kulturwissenschaftler Paul Gilroy das Buch The Black Atlantic – Modernity and Double Consciousness. Er beschreibt darin die Entstehung einer hybriden und polyfonen afrodiasporischen „Gegenkultur der Moderne“, die laut Klappentext „nicht spezifisch afrikanisch, amerikanisch, karibisch oder europäisch ist, sondern all dieses zusammen“. Musik spielt hier als Kommunikationsmittel eine herausragende Rolle. Außerdem wies Gilroy eindringlich auf die tragende Rolle der Sklaverei im Projekt der Westlichen Moderne hin und korrigierte so das historische Bild. 2004 setzte sich das HKW in einem großen Verbundprogramm zum ersten Mal mit dem „Black Atlantic“ auseinander.

Gilroy sah sein Buch als einen Versuch, einen ersten Vorstoß: „Die Kultur des Black Atlantic ist so riesenhaft und ihre Geschichte so wenig bekannt, dass ich kaum mehr getan habe als ein paar erste Markierungen für zukünftige, detailliertere Untersuchungen zu setzen“, schrieb er im Vorwort. Rund 25 Jahre nach Erscheinen des Buches (und 15 Jahre nach dem HKW-Programm) nimmt jetzt die Wassermusik Gilroys Thesen auf und schaut ein weiteres Mal auf den Black Atlantic: Wie haben sich die Dinge entwickelt?

Ein Hauptfokus des Musikprogramms bei Black Atlantic revisited liegt auf dem atlantischen Süden: Künstler*innen aus Brasilien (Gilberto Gil, Milton Nascimento, Virgínia Rodrigues, Luedji Luna), Kolumbien (Louis Towers, Maria del Rosario), Südafrika (B.C.U.C.), von den Kapverdischen Inseln (Mario Lucio & Simentera, Miroca Paris), sowie transatlantische Musikprojekte wie die Maravillas de Mali oder Angelique Kidjos Celia-Cruz-Programm illustrieren die Relevanz von Gilroys Thesen über die nördliche Halbkugel hinaus. Das Filmprogramm schärft das Bild mit Spiel- und Dokumentarfilmen über Capoeira, die „Afrobeats of Cuba“ und den Kampf des Dichters und Wissenschaftlers Amílcar Cabral gegen die portugiesische Kolonialmacht der Kapverden und Guinea-Bissaus.

Dazu kommt in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut die Konferenz Echoes of the South Atlantic, die Teil eines größeren künstlerischen Forschungsprojekt des Goethe-Instituts zum trans-südatlantischen Austausch ist. Zu den Teilnehmern gehören Felwine Sarr, Gabi Ngcobo und Nanette Snoep, die Keynotes halten Achille Mbembe und Paul Gilroy persönlich.

Detlef Diederichsen, Kurator