Open Call: The Whole Life Academy

AdA - Archiv der Avantgarden | © Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Foto: David Pinzer

AdA - Archiv der Avantgarden | © Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Foto: David Pinzer

Archive konstituieren den Erinnerungsraum einer Gesellschaft. Als Institutionen prägen sie die Lebensrealitäten einer in stetem Umbruch begriffenen Gegenwart. Im sogenannten postfaktischen Zeitalter spiegeln und generieren Archive Weltbilder und Wissenskonstellationen, sind sie doch in der Lage, Netzwerke, Machtbeziehungen und Akteur*innen zu dokumentieren – in einer Zeit und über sie hinaus. Archivobjekte sind somit weit mehr als Momentaufnahmen oder Repräsentationen vergangener Zustände: Sie provozieren ein spezifisches Verhältnis zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und setzen chronologische und topografische Kategorien in Bewegung. Vor diesem Hintergrund scheint es zentral, neue Ansätze des Sammelns, Forschens und Archivierens anzuregen, die Strategien entfalten, um marginalisierte Realitäten der Vergangenheit einzubeziehen und damit zu einem besseren Verständnis der komplexen Zusammenhänge in der Gegenwart zu gelangen.

Das Archiv der Avantgarden (AdA), das der Berliner Sammler Egidio Marzona den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) in einer Schenkung übergeben hat, befindet sich in Transformation – von einer privaten Sammlung in ein öffentliches Archiv. Diese Sammlung umfasst rund 1,5 Millionen Objekte, die Kunstwerke, Prototypen, Zeitschriften, Designobjekte und Dokumentationen künstlerischer Produktion miteinander vereint. Als Archiv bietet sie nichts Geringeres als einen Index des ästhetischen Denkens sowie ein Verzeichnis der soziopolitischen Ethiken und utopischen Ideale im 20. Jahrhundert. Im AdA werden Anknüpfungspunkte für grundlegende Fragen zur Konstitution eines Archivs und seinen Beziehungen zu zeitgenössischen gesellschaftspolitischen Entwicklungen deutlich.

Dieses Potenzial ist Ausgangspunkt des Projekts Das ganze Leben. Archive und Wirklichkeit – einer Kooperation von Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Haus der Kulturen der Welt, Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V. / Archive außer sich und Pina Bausch Foundation. Es bildet den Rahmen für eine einwöchige internationale Akademie, die vom 19. bis 25. Mai 2019 in Dresden stattfinden wird.

Das Curriculum der Akademie umfasst Exkursionen, Workshops, Objektsichtungen, Archivrecherchen und öffentliche Präsentationen. Im Vordergrund stehen dabei praxisorientierte Untersuchungen von Dokumenten, Filmen, Kunstwerken und Artefakten, die auch Verbindungen zu teilnehmenden Partnerarchiven, Archiven der SKD und ausgewählten Orten in Dresden knüpfen. Die Teilnehmer*innen können ihre eigenen Methoden und Praktiken anwenden, um ästhetische Diskurse, kulturelle Topografien des Archivs und dessen politische Wirkmächtigkeit zu erkunden. Wie können die Beschreibungen komplexer kultureller Milieus in einem Archiv genutzt werden, um Formen kollektiver Wissensproduktion zu dekodieren? Wie werden die Beziehungen, Genealogien und Widerstände der Objekte eines Archivs sichtbar?

Die Akademie mündet in einen Kongress (23.–25.05.), der Expert*innen und Objekte jenseits disziplinärer Grenzen zusammenführt. Ziel ist es, in einem Zusammenspiel von Archivsichtung und Konferenz Materialitäten zu erforschen, Spuren zu lokalisieren und Biografien zu erzählen.

Wer kann teilnehmen?

Das Programm richtet sich an Master-Studierende und Doktorand*innen aus einem breiten disziplinären Spektrum wie Kunst, Geisteswissenschaften, Sozial- und Naturwissenschaften, Design und Architektur. Bewerbungen von Künstler*innen, Autor*innen, Forscher*innen, Kurator*innen, Designer*innen, Redakteur*innen, Journalist*innen, Aktivist*innen, die außerhalb der Wissenschaft arbeiten, sind ebenso willkommen wie von Expert*innen, die in Institutionen mit Archiven und Sammlungen arbeiten.

Die Teilnahme ist kostenlos. Unterkunft und Verpflegung werden für alle Teilnehmer*innen während des Programms bereitgestellt. Reisekosten können nicht übernommen werden. Eine begrenzte Anzahl von bedarfsabhängigen Reisestipendien kann auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden. Bitte kontaktieren Sie uns diesbezüglich so schnell wie möglich für weitere Informationen.

Kinderbetreuung kann bei Bedarf angeboten werden.

Bewerbung

Bewerbungen sollten aus einem kurzen Lebenslauf und einem Motivationsschreiben bestehen, in dem eine Forschungsfrage formuliert werden muss. Das Motivationsschreiben sollte zwischen 300 und 500 Wörtern umfassen und Informationen über die eigenen Forschungsinteressen und / oder -praktiken enthalten. Es sollte darüber hinaus Vorschläge anführen, welche Kontexte, Formate und Methoden Ihrer Ansicht nach in Verbindung mit dem AdA und Archiven im Allgemeinen diskutiert werden sollten. Bitte geben Sie nach Möglichkeit Kontaktdaten für eine oder zwei Referenzen an. Bitte senden Sie Ihre Bewerbung als PDF-Datei an

Frist für die Einreichung der Bewerbungen:
15.12.2018

Benachrichtigung über die Annahme:
18.01.2019

Anforderungen

Bewerber*innen sollten eine große Bereitschaft zu interdisziplinärer Zusammenarbeit und engagierter Diskussion mitbringen. Aktive Teilnahme wird sowohl während des Akademieprogramms als auch während des Kongresses vorausgesetzt.

Das Programm findet in englischer Sprache statt.

Wenn Sie Bedenken haben, ob Ihre Englischkenntnisse ausreichen, um an dem Programm teilzunehmen, kontaktieren Sie uns bitte und wir werden versuchen, eine*n Dolmetscher*in für Sie zu organisieren.

Weitere Informationen:

The Whole Life Academy ist eine Kooperation von Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V. / Archive außer sich, Haus der Kulturen der Welt (HKW), Pina Bausch Foundation und Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Die Akademie findet im Rahmen des HKW Projekts Das Neue Alphabet statt, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.