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Liebe und Ethnologie

Die koloniale Dialektik der Empfindlichkeit (nach Hubert Fichte)

Der deutsche Schriftsteller Hubert Fichte (1935–1986) war fasziniert von afrodiasporischen Künsten und Religionen. In den 1970er Jahren bereiste er Städte wie Salvador da Bahia und Rio de Janeiro, Santiago de Chile, Dakar, New York und Lissabon und entwickelte dabei seine Utopie einer radikalen Empfindlichkeit. Diese Empfindlichkeit sollte der Forschung dienen: entlang von intensiven Befragungen, intimer Nähe durch (schwule) Sexualität, Selbstreflexivität und einer verdichteten Poesie der Sachlichkeit. Fichtes Experimente mit dialogischen Textformen flossen ein in seinen monumentalen, unfertig gebliebenen Romanzyklus Die Geschichte der Empfindlichkeit.

Das Ausstellungs- und Forschungsprojekt in Kooperation mit dem Goethe-Institut Hubert Fichte: Liebe und Ethnologie öffnet diese Texte für eine kritische heutige Auseinandersetzung: Seit 2017 wurden ausgewählte Romane ins Portugiesische, Englische, Französische, Spanische und Wolof übersetzt. So wurde erstmalig eine Rezeption von Fichtes Schreiben an den Orten seiner Entstehung angeregt. Vor Ort kuratierte Ausstellungen zeigten neue künstlerische Arbeiten. Die abschließende Berliner Ausstellung Liebe und Ethnologie – die koloniale Dialektik der Empfindlichkeit (nach Hubert Fichte) bringt diese Rückspiegelungen zusammen und präsentiert sie vor dem Hintergrund von Ethnologie und ästhetischer Avantgarde in der BRD der Nachkriegszeit.