Der Kadaverräumer

Zoltán Danyi | Terézia Mora

„Wir haben es getan, weil wir es konnten, und wenn es so geschah, dann musste es auch so geschehen, und wenn es so geschehen musste, dann kann keiner von uns etwas dafür, dass wir es getan haben.“

Der Kadaverräumer | Foto: Kaspar Lerch

Der Kadaverräumer | Foto: Kaspar Lerch

Jurykommentar

Hier spricht ein Überlebender, ein Davongekommener, ein Täter in einem reißenden Redestrom von den Grausamkeiten, die er im Krieg des zerfallenden Jugoslawien begangen, erlitten, beobachtet hat, Grausamkeiten von so ungeheuerlichem Ausmaß, dass die Sprache selbst sich vollgesogen hat mit der Gewalt, von der sie spricht. Das ist die Leistung von Terézia Mora, die in der manischen Suada nie den Faden verliert, und gleichzeitig dem Deutschen eine ungeahnte Drastik verpasst. Der Krieg ist nicht vorbei, er lebt bis heute in den Körpern derer weiter, die ihn gekämpft haben, und vererbt sich in die nächsten Generationen. Von diesem Erbe handelt Zoltán Danyis Buch und seine Sprache macht es spürbar.
— Verena Lueken

Zoltán Danyi | © Ekko von Schwichow

Zoltán Danyi | © Ekko von Schwichow

Autor: Zoltán Danyi

Zoltán Danyi, 1972 in Senta im ehemaligen Jugoslawien geboren, studierte Philosophie und Literatur in Novi Sad und Szeged. 2003 debütierte er als Lyriker und veröffentlichte Gedichte und Kurzgeschichten. Er promovierte 2008 über Béla Hamvas und war Lektor und Hochschullehrer. Für seinen ersten Roman Der Kadaverräumer wurde er mit dem Miklós-Mészöly-Preis ausgezeichnet. Danyi, ein Angehöriger der ungarischen Minderheit in Serbien, lebt als Rosenzüchter in Senta.

Terézia Mora | © Antje Berghäuser

Terézia Mora | © Antje Berghäuser

Übersetzerin: Terézia Mora

Terézia Mora wurde 1971 in Sopron, Ungarn, geboren. Ihre Familie gehörte zur deutschsprachigen Minderheit, Mora wuchs zweisprachig auf. Sie studierte Hungarologie und Theaterwissenschaften. Sie gehört zu den renommiertesten Übersetzer * innen aus dem Ungarischen (u. a. Péter Esterházy, Péter Zilahy, Zsófia Bán). 1999 sorgte sie mit ihrem literarischen Debüt, dem Erzählungsband Seltsame Materie, für Furore. 2004 erschien der Roman Alle Tage, 2009 Der einzige Mann auf dem Kontinent und 2013 Das Ungeheuer. Mora wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis, dem Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis, dem Preis der Leipziger Buchmesse, dem Deutschen Buchpreis und dem Georg-Büchner-Preis.