Das ganze Leben. Ein Archiv-Projekt

Das ganze Leben. Ein Archiv-Projekt stellt die Frage, was Archive für die heutige Gesellschaft leisten können: Wie werden historische Erzählungen in gegenwärtige Realitäten übersetzt? Lässt sich die Komplexität historischer Prozesse, Biografien und Netzwerke überhaupt archivieren und für die Zukunft zugänglich machen?

Im Zentrum steht dabei das interdisziplinäre Kooperationsprojekt in einem Netzwerk von vier Institutionen aus den unterschiedlichsten Archivkontexten: Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V. / Archive außer sich, Haus der Kulturen der Welt, Pina Bausch Foundation und Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD). Jede dieser Institutionen arbeitet beispielhaft an der Entwicklung neuer Zugänge und Kontextualisierungen ihrer Bestände. In der Kooperation erproben sie gemeinsam neue Strategien des Umgangs mit Archiven und ihren jeweiligen Archivierungs-, Forschungs- und Erzählpraxen, und arbeiten an neuen Verfahren und theoretischen Ansätzen im Umgang mit Archiven und ihrer Sichtbarmachung.

Ausgangspunkt für das erste gemeinsame Projekt Das ganze Leben. Archive und Wirklichkeit (19.–25. Mai 2019) war die Transformation des Archivs der Avantgarden (AdA) der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das 2021 sein neues Domizil im historischen Blockhaus in Dresden beziehen wird. Dieser Prozess warf zahlreiche klassische Fragen nach dem Status von Archiven auf, nach ihren institutionellen Strukturen und ihren Beständen in Bezug auf einen spezifischen lokalen Kontext. Das einwöchige Programm in Dresden im Lipsiusbau setzte sich vor diesem Hintergrund mit den zeitgenössischen Praktiken, Methoden und Bedingungen von Archivinstitutionen auseinander. In diesem Zusammenhang wurde die interdisziplinäre, internationale Whole Life Academy für junge Forscherinnen und Forscher ins Leben gerufen und bildete die Grundlage für die weiterführende Forschung und Reflexion über Archivpositionen, -infrastrukturen und -materialitäten.

Eine weitere Akademie findet in Berlin statt (The Whole Life Academy Berlin, 18.-23. April 2021). In ihrem Zentrum stehen alternative Archivstrukturen und ihre marginalisierten oder subversiven Archivpraxen in Bezug auf aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen. Die Akademie verbindet Exkursionen, Seminare, Vorträge, Archivforschung und Präsentationen zu einem nomadischen Curriculum, das Theorie, Praxis und Feldforschung vor Ort miteinander verbindet. Ein weiterer Kongress in Berlin im HKW (22.–24. April 2021) führt die Projekte, Institutionen und Partner der Langzeitinitiative entlang dreier Kernthemen zusammen: der Frage nach der Arbeit am Archiv und der Sozialität des Archivs, den Schnittstellen von Digitalisierung und Archivwesen sowie den Archiven des Anthropozäns.