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Curatorial Things


Do, 30. Oktober 2014 — Sa, 01. November 2014

Mit der Globalisierung, der Digitalisierung aller Lebensbereiche sowie der Aufwertung immaterieller Arbeit gegenüber der Warenproduktion haben sich seit Beginn des 21. Jahrhunderts Status und Bedeutung der Dinge gewandelt. Der präsentierende Umgang mit den Dingen nimmt an dieser Entwicklung entscheidenden Anteil und ist zugleich wesentlich durch sie geprägt. Im Zuge dessen beginnen sich nicht allein tradierte Vorstellungen davon, wie Dinge Bedeutung als Exponate erlangen, aufzulösen und neu zu formulieren, sondern es stellen sich grundsätzliche Fragen zu dem Verhältnis der verschiedenen an einer Präsentationssituation beteiligten Elemente, die die traditionell als Ausstellungsstücke bezeichneten Gegenstände ebenso einbeziehen wie Displaygegenstände, Raumeinheiten, Diskurse und die verschiedenen involvierten Personen. Was wann, wie und mit welchen Potenzialen zu einem „Ding“ in Ausstellungen werden kann, steht im Zentrum dieser Debatte.

Drei für den aktuellen kuratorischen Diskurs wesentliche Aspekte überlagern und verschränken sich in diesem Kontext:
Zum Ersten die „Behältnis-Funktion“, mit der die Dinge in der westlichen Kultur zu Bedeutungsspeichern wurden und damit zum konstituierenden Zentrum der Museumskonzeption. So wenig wie diese Vorstellung für nicht-westliche ausstellende Praktiken und Institutionen als allgemeingültig erklärt werden kann, so wenig behält sie auch in kuratorischen Praktiken anderer Disziplinen – wie sie etwa das Theater, der Tanz oder der Film für sich in Anspruch nehmen – ihre Gültigkeit.
Zum Zweiten treten zu dem materiellen, statischen Ding, das in Ausstellungen als Kunstwerk, Kulturobjekt und Ausstellungsstück in Erscheinung tritt, Elemente einer kuratorischen Situation hinzu, die in ihrer Materialität, Erscheinungsform und Bedeutung ephemer, beweglich und unabgeschlossen sind.
Zum Dritten schließlich erhalten diese Dinge den Status von Agenten, indem sie in diesen Situationen als Mitwirkende auftreten.

Die Tagung CURATORIAL THINGS geht den Implikationen, Konsequenzen und Potenzialen nach, die sich aus der Verschränkung dieser Aspekte und ihrer Entwicklungen ergeben. Mit dem Verständnis, dass kuratorische Praxis ganz wesentlich das Herstellen von Konstellationen bedeutet, gilt es, aus unterschiedlichen disziplinären, kulturellen und institutionellen Perspektiven heraus der Wirkungsmacht nachzugehen, die den Dingen in solchen Konstellationen als aktiv Beteiligte zugesprochen wird.

Konzept: Beatrice von Bismarck, Benjamin Meyer-Krahmer, Thomas Weski

Kulturen des Kuratorischen / Cultures of the Curatorial
Hochschule für Grafik und Buchkunst / Academy of Visual Arts Leipzig