Amateur Architecture Studio (Wang Shu & Lu Wenyu)

Tile Theatre

Wang Shu und Lu Wenyu üben konzeptionelle und philosophische Kritik an der globalisierten Architekturpraxis, dem Hochgeschwindigkeitsbauen in China. Jenseits weltweiter Trends verfolgen sie andere Ziele: In ihren Entwürfen greift das Architektenduo lokale Handwerkstraditionen auf und bringt sie in Einklang mit zeitgenössischem Design. Sie verwenden traditionelle Materialien wie Bambus, Holz oder Backstein und kombinieren sie mit scheinbar kontrastierenden Baustoffen wie Beton. Das Wort „Amateur“ im Namen ihres Studios steht für den Gegenentwurf zu einer Professionalität, die regionale Unterschiede und menschliche Bedürfnisse ignoriert und sich einem monolithischen Größenwahn verschrieben hat. Für ihr „Tile Theatre“ recyceln sie die rund 60.000 traditionell gefertigten chinesischen Dachziegel aus ihrer Arbeit für die 10. Architektur-Biennale in Venedig 2006 und schaffen damit eine begehbare Pavillonskulptur auf dem Dach des HKW.

Amateur Architecture Studio (1997 von Wang Shu und Lu Wenyu in Hangzhou, China, gegründet) arbeitet mit lokalen Handwerkstraditionen und setzt sich so von den modernen Prachtarchitekturen in chinesischen Megastädten ab. Die Projekte des Studios wurden weltweit ausgestellt, so z. B. bei der Architektur-Biennale Venedig („Tiles Garden“, 2006, „Decay of a Dome“, 2010). Wang Shu hat zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten, unter anderem den Pritzker-Preis und, zusammen mit Lu Wenyu, den Schelling Architektur Preis. Beide unterrichten an der China Academy of Art in Hangzhou.