Pressemitteilung vom 20.09.2019

Mississippi. An Anthropocene River

Mississippi. An Anthropocene River

Ein Forschungsprojekt zwischen Wissenschaft, Kunst und Bildung im Anthropozän

Anthropocene River Journey:
Sep–Nov 2019, von Minneapolis bis New Orleans

Wie kann das Anthropozän auf lokaler Ebene lesbar gemacht werden, ohne dabei seine Komplexität zu vernachlässigen? Am Mississippi River verschränken sich Natur- und Siedlungsgeschichte, Technologie und Ökologie, Tiefenzeit, Gegenwart, Ausbeutung und Solidarität auf einzigartige Weise. Am 20. September beginnt die Veranstaltungsphase des einjährigen Forschungsprojekts Mississippi. An Anthropocene River mit der Anthropocene River Journey. Gemeinsames Arbeitsinstrument und digitaler Einstieg in das Projekt ist die Forschungsplattform anthropocene-curriculum.org. Hier werden kontinuierlich und offen zugänglich Forschungsfragen diskutiert, Daten ausgetauscht und Arbeitsergebnisse präsentiert.

Nachdem das HKW seit 2013 in Konferenzen, Ausstellungen und Publikationen die Wissensformen, Kosmologien und Technosphären des „Zeitalter des Menschen“ erforscht hat, widmet es sich nun der konkreten und modellhaften Erforschung einer anthropozänen Landschaft. Seit 2018 entwickeln Forscher*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen in Zusammenarbeit mit Initiativen vor Ort in den USA Möglichkeiten, das planetarische Phänomen Anthropozän vor Ort am Mississippi lesbar zu machen und seine globalen Verbindungslinien aufzuzeigen. Das Projekt untersucht die menschlichen Einflüsse auf die Mississippi-Region und macht dieses Mensch-Umwelt-System in seinen historischen, sozialen und ökologischen Transformationen erfahrbar.

Der mäandernde Strom des Mississippi ist mythisch aufgeladene Landschaft, Symbol für das menschliche Eingreifen in die Natur und gleichzeitig konkrete Lebensgrundlage. Über Jahrhunderte war er eine Wasserstraße der kolonialen Ausbeutung, an seinen Ufern lagen die historischen Zentren von Plantagenwirtschaft und Sklaverei. Der Strom ist ständig wandelndes Ökosystem, Verkehrsader für Rohstoffe und Waren und Ablagerungsgebiet für Sedimente und Schadstoffe zugleich. Heute reicht die menschliche Überformung der Flusslandschaft von den Forstgebieten am oberen Flusslauf über die industrielle Landwirtschaft des Mittleren Westens bis zu den Petrochemie-Zentren im Delta und in die sauerstoffarmen „Totzonen“ im Golf von Mexiko.

Welchen Einfluss übt der Transport von Rohstoffen, Waren und Menschen auf das Flusssystem aus? Wie hat der Mensch den Fluss in seiner heutigen Gestalt hervorgebracht? Wie lässt sich am Mississippi das Zusammenspiel von menschlichen Interessen und ökologischen Problemlagen ablesen? Wie kann ein Gleichgewicht zwischen „natürlichen“ und „künstlichen“ Systemen hergestellt werden? Wem gehören Land und Wasser und wie sind diese Besitzverhältnisse entstanden?

In fünf Field Stations entlang des Flusses werden diese Fragen in Feldforschungen, öffentlichen Foren und Workshops beleuchtet. Von September bis November reist die Anthropocene River Journey den Mississippi flussabwärts und führt die Forschungen der Field Stations zusammen. Im November wird der einwöchige Anthropocene River Campus: The Human Delta die Ansätze des Projekts bündeln, indem die Forschungen flussauf in der spezifischen Situation von New Orleans und dem Delta situiert und globale Verbindungen öffnet.

Auf der Forschungsplattform anthropocene-curriculum.org lässt sich das Projekt in Essays, Fotos, Podcasts, Videos und anderen Formaten verfolgen. Die Seite dient nicht nur der Dokumentation der einzelnen Forschungsprojekte, sondern stellt selbst ein Forschungsinstrument dar, über das Datensätze und Medien ausgetauscht und zusammengeführt werden können. In diesem Sinne erprobt die Plattform kollaborative Technologien, die dem Forschen und Handeln im Anthropozän auf planetarischer wie lokaler Ebene angemessen sind.

Forschungsplattform: anthropocene-curriculum.org

Mississippi. An Anthropocene River findet im Rahmen des Deutschlandjahres in den USA Wunderbar Together statt.

Mississippi. An Anthropocene River wird entwickelt vom Haus der Kulturen der Welt (HKW) und dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG), Berlin, in Zusammenarbeit mit zahlreichen internationalen Partnern und wird gefördert vom Auswärtigen Amt als Teil der Initiative #WunderbarTogether und der Max-Planck-Gesellschaft.

Mississippi. An Anthropocene River ist Teil des Anthropocene Curriculum (seit 2013), eines internationalen Langzeitprojekts für experimentelle Formen anthropozäner Forschung und Lehre. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Das Haus der Kulturen der Welt wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Auswärtigen Amt.

Pressekontakt:
Anne Maier
Leitung Presse I Pressesprecherin
Haus der Kulturen der Welt
John-Foster-Dulles-Allee 10
D-10557 Berlin
tel. +49 (0)30 397 87.153
fax +49 (0)30 3948679
Mail.
www.hkw.de