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Pressemitteilung vom 22.07.2019

Körper lesen!

Das Neue Alphabet | Körper lesen!

Corpoliteracy in Kunst, Bildung und Alltag
Performances, Diskurs, Workshops
14.+15.9.2019
(Sa 14.9. 16h-Mitternacht, So 15.9. 10-19h)
Eintritt frei

Körper sind komplexe Zeichensysteme. Sie senden absichtliche und unbeabsichtigte Botschaften, spiegeln Traditionen und aktuelle Trends, die vom Gegenüber – oft unbewusst – interpretiert werden. Während der Berlin Art Week untersucht Körper lesen! – ausgehend vom Begriff „Corpoliteracy“ – in Panels, Workshops und Performances die vielschichtigen Hintergründe der Wahrnehmung des eigenen und anderer Körper.

Corpoliteracy reflektiert Wertesysteme, gesellschaftliche Praktiken und die Mechanismen, die zu Zuschreibungen, Zwängen und Ausschlüssen führen. Kann Körperlesekunde helfen, neue Formen von Kultureller Bildung zu entwickeln, die den intersektionalen Lebensrealitäten vieler Menschen Rechnung tragen? Kann sie beim Lesen von Körpern dabei helfen, Vorurteile und Ressentiments abzubauen, differenzierter zu urteilen als in binären Systemen von alt/jung, nicht be_hindert/be_hindert, homo/hetero, schwarz/weiß? Ermöglicht die Körperlesekunde eine neue Deutungshoheit über den eigenen Körper? Diesen und vielen weiteren Fragen geht das Programm durch Beiträge künstlerischer, akademischer und pädagogischer Forschung nach.

Das Künstler*innen-Duo Lucie Strecker und Klaus Spiess experimentiert mit der linguistischen Determiniertheit der Biochemie menschlichen Speichels, das Künstler*innenkollektiv Studio Moniker weist in der Arbeit Don’t Draw a Penis die zensierende Macht von KI nach. Jeremy Wade hinterfragt in seiner Performance Technologies of Impossile Repair normalisierende Praktiken der Fürsorge mit Mitteln der Kunst, der sozialen Arbeit und des Aktivismus. Neben diesen und weiteren künstlerisch-performativen Interventionen gibt es die Möglichkeit der aktiven Teilnahme: Human Rights Tattoo sticht Buchstabe für Buchstabe die Erklärung der Menschenrechte unter die Haut interessierter Besucher*innen, die Künstlerin Nadja Buttendorf bietet Massagen mit dem Hot Phone an und lädt im Magnetic Nail Art Studio zu experimenteller Prothetik und politischen Körpererweiterungen ein. Ein Workshop der Feministischen Gesundheitsrecherchegruppe erarbeitet feministische Perspektiven auf Gesundheit und erforscht Beispiele radikaler Gesundheitssorge. Körperübungen und angeleitete Meditationen erweitern das Programm.

Die Wortschöpfung “Corpoliteracy” („Körperlesekunde“) stammt aus dem SAVVY Contemporary. Körper lesen! entwickelt die Thesen weiter und öffnet sie für die Diskussion neuer Aspekte. Bonaventure Soh Bejeng Ndikung beschreibt im Buch zur documenta 14 aneducation – Eine Erfahrung sein Interesse an der „Möglichkeit einer Körperlesekunde (corpoliteracy), die den Körper als Forum, Bühne, Schauplatz und Medium des Lernens, als Wissen ansammelndes, speicherndes und weitergebendes Gefüge oder Organ kontextualisiert. Körper sind unabhängig vom Gehirn erinnerungsfähig.“

Im Rahmen des Langzeitprojekts Das Neue Alphabet untersucht das HKW seit Januar 2019, welche Wissenssysteme wichtig sind, um sich in der heutigen Welt orientieren zu können. Das HKW interessiert sich in seiner Kulturellen Bildungsarbeit dafür, wie dieses Wissen erzeugt, geteilt, genutzt wird und von wem.

Daniel Neugebauer und Eva Stein, die das Programm verantworten, wagen mit Körper lesen! einen Rundumschlag: Die Beiträge beschäftigen sich unter anderem mit politischen und pädagogischen Aspekten von Körperlichkeit, mit Gruppendruck und Schönheitsidealen, mit der Rolle sozialer Medien oder der Frage, inwiefern digitales Leben und Technologien die menschliche Physis verändern. Für Körper lesen! untersuchen Vertreter*innen aus Kunst, Bildung und Vermittlung, Wissenschaft, Aktivismus und Alltag das transformatorische Potenzial des Konzepts Corpoliteracy für eine pluralistische und inklusive Gesellschaft.

Mit Magda Albrecht, Aral Balkan, Maaike Bleeker, Mai-Anh Julia Boger, Sander van Bussel & Human Rights Tatoo, Nadja Buttendorf & Theresa Mosebach, Ahmet Derecik, Bogomir Doringer, Eva Egermann, Educated Body, Nemi El-Hassan, Feministische Gesundheitsrecherchegruppe, Gila Kolb, Raul Krauthausen, Ali Lacin, Anisha Muller, Olave Nduwanje, Regine Rapp, Imke Schmincke, Klaus Spiess & Lucie Strecker, Jules Sturm & Angelo Custodio, Studio Moniker, Sabina Énea Téari, Mavi Veloso feat. Dynno Dada, Sanni Est & Tina Escarlatina, Matthias Vernaldi, Jeremy Wade, Sabine Zahn, Inga Zimprich, Yvonne Zindel u.v.m.

Teil von Das Neue Alphabet
Im Rahmen der Berlin Art Week
Das Haus der Kulturen der Welt wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Auswärtigen Amt.

Akkreditierung, Interviews und weitere Presseinformationen
Pressefotos: hkw.de/pressefotos oder auf Nachfrage unter
Das gesamte Programm: hkw.de/corpoliteracy

Pressekontakt
Anne Maier
Pressesprecherin
Haus der Kulturen der Welt
+49 30 39787 153/196