Pressemitteilung vom 20.03.2019

Find the File

Find the File

Konzerte, Talks, Filme, Tanz
21.–24. März 2019
Abendtickets: 13/10 €, Festivalpass: 30€
Talks, Panels, Filme, Videoinstallationen, begehbares Musiktheater: Eintritt frei

Egal ob auf Vinyl, als MP3 oder im Stream – Musik wird gesucht, gesammelt und selektiert. Welche Bestände aus Radiostationen, Plattenfirmen und Museen werden digitalisiert und warum? Wer hat Zugang zu ihnen? Find the File ist ein diskursives Musikfestival zwischen Archiven, Afrobeat und Aktivismus.

Für das Opening von Find the File haben sich im Auftrag des HKW verschiedenste Musiker_innen Archive ihrer Wahl vorgenommen: Bernadette La Hengst performt die Hits der legendären All Girl Beatband Liverbirds mit Original-Bandmitgliedern. Bei Tellavision & Derya Yıldırım trifft elektronische Hardware auf türkische Kunst- und Volksmusik aus dem über 5.000 Einträge verzeichnenden Online-Archiv trtnotaarsivi.com. Aérea Negrot greift für ihr Amalgam aus technoiden Grooves, klassischem Gesang und abstraktem Pop zurück auf Downloads aus dem Free Music Archive. Olith Ratego & Chor der Kulturen der Welt nutzen Material der Organisation Ketebel Music aus Nairobi um den kenianischen Benga aufleben zu lassen, eine Musik mit Einflüssen von afrokubanischem Rumba, kongolesischer Fingerstyle-Gitarre, südafrikanischem Kwela und den Liedern der Luo aus der südlichen Nilregion. DJ Raph arbeitet u. a. mit Fieldrecordings panafrikanischer Geschichte aus dem Iwalewahaus, er steht für die elektronische Untergrundszene Nairobis. (Do 21.3. ab 20h).

Die Macher_innen von Sublime Frequencies spüren für ihr Label obskure bis unkonventionelle Sounds auf. Bei ihrer Labelnacht spielt die Band Hayvanlar Alemi psychedelischen Folk und Rock mit anatolischem Einschlag und Baba Commandant präsentiert mit The Mandingo Band sein zeitgenössisches Update von Afrobeat. Wie die Menschen der Zukunft auf die Gegenwart schauen werden, fragt das Tanztheaterstück Planet Kigali. Es verbindet klassisch-ruandischen mit zeitgenössischem Tanz, mythische Kosmologie und Science Fiction. (Fr 22.3. ab 19h)

Die Archive von Radio Mogadishu überdauerten Kolonialismus und Bürgerkrieg und zeugen von der internationalen Musikszene Somalias vergangener Jahrzehnte. Die Dur-Dur Band International bewegt sich zwischen Funk und Disco und lässt diesen Geist wiederaufleben. Ob aus Jamaika oder Japan, in Hinterhöfen oder auf Hochzeiten – DJ /rupture alias Jace Clayton verfolgt lokale und globale Musiktrends und verstrickt sie zu extrem tanzbaren Sets. (Sa 23.3. ab 20h)

Der Saxofon-Virtuose Femi Kuti verfolgt mit seiner Band The Positive Force immer auch den politischen Anspruch des Genres Afrobeat – und führt damit das Erbe seines Vaters Fela Kuti fort. Stella Chiweshe verhalf dem Mbira-Lamellofon zu internationaler Bekanntheit. Die Zonke Family und Stefan Franke präsentieren mit der Künstlerin die vielschichtigen Klangwelten des Zupfinstruments. (So 24.3. ab 19h)

In Talks und Panels fragen Theoretikerinnen und Musiknerds: Wie wird Musik archiviert, reaktiviert, zurückgegeben? Diane Thram leitete die größte Sammlung afrikanischer Fieldrecordings – und fordert die Dekolonisierung der Archive. Die Juristin Marisella Ouma diskutiert Schutz und Zugang zu geistigem Eigentum. Der Musikjournalist Simon Reynolds sucht nach Orientierung im „unendlichen Archiv“ des Internets. Brian Shimkovitz hat sich mit Awesome Tapes From Africa dem Wiederauffinden verlorener Stücke verschrieben. Der Autor und Künstler Jace Clayton untersucht junge digitale Popkulturen weltweit u.v.m. (Sa 23.3. ab 14.30h / So 24.3. ab 15.30h)

In einer Weltpremiere zeigt Fela Kuti and the Politics of Remembering bisher unveröffentlichtes Archivmaterial über den Afrobeat-Begründer Fela Kuti und das Leben in seiner Kalakuta Republic in Lagos. Renata Di Leone und Armin Linke haben die Videoinstallation zusammen mit Giulia Bruno und Giuseppe Ielasi aus dem Konvolut an Filmen von Michele Avantario geschaffen. Im Setting der Videoinstallation erzählt der langjährige Manager von Fela Kuti, Rikki Stein, im Gespräch mit dem Journalisten Florian Sievers von der Geburt des Afrobeat.(Do 21.3. 19h) Ebenfalls als Weltpremiere zu sehen ist das begehbare Musiktheater Rwandan Records, inszeniert von Jens Dietrich und Milena Kipfmüller mit Archivsampling, Rap und Live-Elektronik von Eric 1key und Klaus Janek. Außerdem: Cornelia Sollfranks Videoinstallation Artistic Shadow Libraries, John Akomfrahs spekulativ-dokumentarische Science Fiction The Last Angel of History (Sa 23.3. 13.30h) und die Oscar-prämierte Musik-Dokumentation Searching for Sugar Man (So 24.3. 14h).

Detlef Diederichsen, Kurator von Find the File und Leiter des HKW-Bereichs Musik und Performing Arts, untersucht seit 2013 mit seinen Festivalprogrammen im Rahmen der HKW-Langzeitprojekte Das Anthropozän-Projekt mit u.a. Krieg singen oder 100 Jahre Gegenwart mit 100 Jahre Beat die Betriebssysteme der Musik und der Musikwirtschaft und Leitmotive der Popgeschichte aus unerwarteten Perspektiven. Mit Find the File setzt er ab März 2019 seine Untersuchungen und Analysen im Rahmen des HKW-Langzeitprojekts Das Neue Alphabet bis 2021 fort.

Im Rahmen von Das Neue Alphabet. Das Haus der Kulturen der Welt wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Auswärtigen Amt.

Pressekontakt:
Haus der Kulturen der Welt
Anne Maier
Leitung Presse/Pressesprecherin
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