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Pressemitteilung vom 08.01.2019

Wie politisch ist das Bauhaus?

Wie politisch ist das Bauhaus?
Gespräche und künstlerische Interventionen
19.1.2019, 14–21.30h
Eintritt frei
Simultanübersetzung DE, EN

Presseakkreditierung erbeten:

Das Bauhaus ist aus einer Zeit hervorgegangen, die in ihrer Krisenhaftigkeit Parallelen zur gegenwärtigen Situation aufweist. Wieder steht die Autonomie der Kunst in Frage, erneut wird versucht, Kultur an Nation und Volk zu binden. Mit welchen Strategien haben die rechten Kräfte damals operiert? Und wie hat sich das Bauhaus gegenüber diesen Angriffen verhalten? Zum Auftakt des Jubiläumsjahres greift die Veranstaltung zentrale Fragen zum Bauhaus auf – von der Erziehung der Gesellschaft über die Wohnungsfrage bis hin zur Internationalisierung. Was können Institutionen, die heute unter Beschuss von rechts stehen, daraus lernen?

Zu diesen Fragen kommen Aktivist_innen, Expert_innen, Künstler_innen und das Publikum zu Wort.

Teil 1, Einführendes/Erziehung der Gesellschaft: 14–15.30h

Grußwort: Klaus Lederer, Bürgermeister und Senator für Kultur und Europa in Berlin
Einführung: Bernd Scherer, Intendant HKW; Christian Hiller, Anh-Linh Ngo, ARCH+
Vortrag: Marion von Osten, Kuratorin bauhaus imaginista
Doppelvortrag: Mark Wigley, Columbia University; Beatriz Colomina, Princeton University
Präsentation: Benjamin Foerster-Baldenius, Dorothee Halbrock, raumlabor

Teil 2, Wohnungsfrage & Stadtentwicklung: 16–17.30h

Vortrag: Philipp Oswalt, Universität Kassel
Diskussion: Gisela Mackenroth, Forschungsprojekt PODESTA (Populismus|Demokratie|Stadt); Stefan Rettich, Universität Kassel, KARO*architekten; Ulrike Hamann, Humboldt-Universität zu Berlin, Kotti & Co; Jesko Fezer, HFBK Hamburg, Kooperative für Darstellungspolitik
Moderation: Thomas Flierl, Architekturhistoriker

Teil 3, Internationalisierung & Emanzipation: 18–19.15h

Vortrag: Arjun Appadurai, New York University
Gespräch: Theresia Enzensberger, Autorin; Regina Bittner, Leiterin der Akademie der Stiftung Bauhaus Dessau

Teil 4, Politische Rolle von Kulturinstitutionen: 19.30–21.30h

Einführung: Justus H. Ulbricht, Historiker
Diskussion: Bianca Klose, Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus; Ayşe Güleç, aktivistische Forscherin und Kunstvermittlerin; Joy Kristin Kalu, Die Vielen; Jacobus North, Feine Sahne Fischfilet; Schroeter und Berger, Besorgte Bauhäusler*innen
Moderation: Özcan Karadeniz, Verband binationaler Partnerschaften Leipzig

Offene Diskussion zwischen Publikum und allen Redner_innen

Eine Kooperation von Haus der Kulturen der Welt und ARCH+, kuratiert von Bernd Scherer, Christian Hiller und Anh-Linh Ngo. Begleitend zum Eröffnungsfestival 100 jahre bauhaus. Gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.
Das Haus der Kulturen der Welt wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie durch das Auswärtige Amt.

Wie politisch ist das Bauhaus?

Die Erfahrung des Ersten Weltkrieges, die Novemberrevolution und Gründung der Weimarer Republik, Industrialisierung, Urbanisierung, das Aufkommen der Massenmedien und die Weltwirtschaftskrise brachten tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzungen mit sich. Das Bauhaus und die klassischen Avantgarden formulierten den Anspruch, durch Gestaltung Gesellschaft positiv verändern zu können. Mit dem Aufstieg zur globalen Marke ist sein politischer Gehalt in Teilen verloren gegangen. Gleichzeitig ist das Bild seiner Radikalität und Fortschrittlichkeit selbst ein Mythos, das Resultat von Selbst- und Fremdstilisierungen. Im Jahr seines 100-jährigen Gründungsjubiläums über dessen mögliche Aktualität zu sprechen, erfordert daher eine kritische Hinterfragung des Erbes des Bauhauses: Wie revolutionär war das Bauhaus? Inwiefern war es politisch? Haben sich seine Versprechen eingelöst? Was können heutige Institutionen von der Geschichte des Bauhauses lernen? Wie können sie einen Beitrag dazu leisten, neue Räume der Öffentlichkeit und der demokratischen Teilhabe zu schaffen und zu sichern?

Pädagogik / Erziehung der Gesellschaft

Der politische Moment des Bauhauses drückte sich nicht zuletzt in seinem Verständnis von einer neuen, sozialreformerischen Pädagogik aus. Die bewusste Gestaltung der architektonischen wie auch medialen Umwelt sollte der Schaffung eines neuen Menschen dienen, der sich in einer durch Massenmedien und Urbanisierung rasant verändernden Lebensrealität zurechtfinden und selbstbestimmt handeln sollte. Neben einer emanzipativen Erziehung der Menschen zu demokratischen Subjekten dienten die am Bauhaus entwickelten Kommunikationsmittel aber auch seiner eigenen Vermarktung. Können die revolutionären Ansätze des Bauhauses wieder fruchtbar gemacht werden? Kann oder sollte die Gestaltung heute wieder als Mittel zur Erziehung der Gesellschaft zum Einsatz gebracht werden?

Wohnungsfrage / Stadtentwicklung

Finanziell und politisch von der rechtsgerichteten Thüringer Regierung unter Druck gesetzt, beschloss das Bauhaus 1925 den Umzug von Weimar nach Dessau. Mit der Einladung der sozialdemokratisch geführten Dessauer Stadtregierung war auch die Hoffnung verbunden, das Bauhaus würde Lösungen für die Wohnungskrise bieten. Als sich diese Erwartung nicht erfüllen sollte, entzogen auch die Sozialdemokraten dem Bauhaus zunehmend ihre Unterstützung. Symptomatisch dafür steht Gropius’ Arbeitersiedlung in Dessau-Törten, die zwar vergleichsweise hohe Wohnstandards bot, jedoch an dem Anspruch scheiterte, billigen Wohnraum für die Massen zur Verfügung zu stellen. Wie können Wohnungs- und Stadtpolitik der Segregation der Gesellschaft entgegenwirken? Wie kann entgegen populistischer Verheißungen tatsächliche Teilhabe an der Stadtentwicklung ermöglicht werden?

Emanzipation / Internationalisierung

Mit dem Bauhaus verband sich die Hoffnung auf ein emanzipatives Gesellschaftsmodell, in dem Internationalität Nationalismen ablösen und alte Hierarchien gerechteren Klassen- und Geschlechterverhältnissen weichen sollten. Im Gegensatz zu vielen anderen Kunstakademien seiner Zeit nahm das Bauhaus Frauen zwar auf, doch für die meisten von ihnen beschränkte sich das auf die Textilklasse, vom restlichen Curriculum blieben sie weitestgehend ausgeschlossen. Es scheint dringlicher denn je, den Blick gerade auch auf die inneren Widersprüche des Bauhauses zu richten, um tradierte Denkmuster zu überwinden und eine wirkliche Emanzipation und Gleichberechtigung zu befördern.

Politische Rolle kultureller Institutionen

Seit seiner Gründung war das Bauhaus Ziel national-konservativer bis nationalsozialistischer Attacken, die letztlich zu den Schließungen des Bauhauses, zur Verfolgung bis hin zu Exil und Tod vieler seiner Mitglieder führten. Wie können sich Künstler_innen und Institutionen positionieren, wenn die Rechten die Einforderung politischer Neutralität gegen sie wenden? Wie können kulturelle Institutionen den Zugang für bisher ausgeschlossene Bevölkerungsgruppen erleichtern, um sich als Räume der demokratischen Aushandlung der Vielen zu sichern? Welche neuen Bündnisse sind dafür notwendig? Können sie als Vermittler_innen wirken, ohne zum Instrument der Propaganda der Rechten zu werden oder selbst zur Normalisierung derer Positionen beizutragen?

Ausführlichere Texte finden Sie unter: www.hkw.de/bauhauspolitik

Pressekontakt:

Haus der Kulturen der Welt

Anne Maier

Leitung Presse/Pressesprecherin

John-Foster-Dulles-Allee 10

10557 Berlin

030.39787 153/196

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