Pressemitteilung vom 18.12.2018

Das Neue Alphabet - Opening Days

Das Neue Alphabet – Opening Days | Das Neue Alphabet

Das Neue Alphabet
2019–2021

Opening Days
Performances, Diskussionen, Installationen, Konzerte
10.–13.1.2019
Eröffnung: 10.1.2019, 16.30h

(Un-)Learning Place
Internationaler Campus
Öffentliches Plenum und Performance
13.1.2019, 13.30h

Das Programmheft und Kurzinterviews mit Julia Voss, Dirk von Lowtzow (Tocotronic), Slavs and Tatars und weiteren finden Sie hier.

Sind Binärcodes, Algorithmen und die DNA die Alphabete von heute? Die gegenwärtige Wissensexplosion geht einher mit der Zerlegung der Welt in allerkleinste Einheiten. Der binäre Code – mit nur zwei Elementen die höchste Abstraktion des alphabetischen Prinzips –reduziert die Vielgestaltigkeit des Analogen und macht sie berechenbar. Das Neue Alphabet buchstabiert von 2019–2021 Utopien und Dystopien zugleich. Die Opening Days vom 10.–13. Januar 2019 ergründen in Performances, Konzerten, Gesprächen, Filmen und Installationen Alphabetisierungsmomente vom Barock bis in die Gegenwart.

Kurator und HKW-Intendant Bernd Scherer: „Vor dem Hintergrund eines extraktiven, digitalen Kapitalismus‘, der permanent Ausdrucksformen des Lebens in Waren transformiert und dabei die Wissensgesellschaft zur Verwertungsgesellschaft hin verändert, muss es um die Rückgewinnung der Perspektivenvielfalt auf gesellschaftlicher, aber auch auf individueller Ebene gehen.“

Projekte der synthetischen Biologie und künstlichen Intelligenz gründen sich auf einer Lesart von Leben als Code, der entschlüsselt werden kann und dadurch manipulierbar ist. Wie objektiv sind Daten? Welche gesellschaftlichen Machtstrukturen und Besitzlogiken reproduzieren sie? Welche sprachlichen Entwicklungen gehen mit der Datenförmigkeit von Wissen einher? Was wird verdrängt? Wer dominiert die neuen Wissensordnungen? Und welche ethischen Fragestellungen werfen diese „Alphabetisierungen“ auf? Was passiert zwischen 1 und 0?

Mit diesen Fragen beschäftigen sich Künstler_innen, Forscher_innen und Musiker_innen vom 10.–13. Januar im HKW. Die Opening Days beginnen mit einem Abend über den Eigensinn menschlichen Ausdrucks und die poetische Kraft der Theorie. In einem begehbaren Theater mit fünf Podien präsentiert Alexander Kluge Gespräche zur Erfindung der Schrift, zur DNA und zu molekularen Codierungen. Ist sprachliche Vielfalt im Zeitalter der Digitalisierung möglich? Wie divers ist die heutige Technologieentwicklung? Emily Apter, Kate Crawford, Yuk Hui, Luc Steels, Hito Steyerl u.v.a. fragen nach dem, was unübersetzbar ist und was verdrängt oder wegrationalisiert wird. Was heißt es, in einer digitalisierten Welt mehrsprachig zu agieren? Gibt es eine Sprache der Kunst, der Poesie, der Musik oder des Rechts? Und welche Schriftformen außerhalb diskreter Zeichen gilt es zu entdecken? Formen subversiver, widerständiger Zeichenproduktion in antikolonialen Kontexten – vom widerständigen Weben bis zum Einspruch gegen virtuelle Enteignung – werden von Sandeep Bhagwati in einer zweitägigen musikalischen Komposition sowie von Ivonne González und dem Black Guiris Collective, Diana McCarty, Olivier Marboeuf, Yucef Merhi, Éric Sadin, Odete Semedo und anderen erprobt.

Video-Installationen von Kader Attia, Giulia Bruno & Armin Linke und Filipa César, Filme von Alexander Kluge in Szenenbildern von Thilo Albers und Kokons von knowbotiq laden im gesamten HKW während der Opening Days zum Navigieren durch die Infrastrukturen neuer Alphabete.

Parallel entwickeln beim (Un-)Learning Place (9.–13. Januar) acht Berliner Kollektive gemeinsam mit 80 internationalen Stipendiat_innen in einer Szenographie von Raumlabor Berlin transdisziplinäre, dekoloniale und antihegemoniale Strategien in Bezug auf datenbasierte Wissenssysteme, Übersetzungen, Archive, Institutionen und Körperformationen.

Nach den Langzeit-Projekten Das Anthropozän-Projekt (2013–2015) und 100 Jahre Gegenwart (2015–2019) schließt sich im HKW mit dem Projekt Das Neue Alphabet (2019–2021) der erste Kreis einer Trilogie von Gegenwartsanalysen.

Mit Emily Apter, Kader Attia, Joana Barrios, Sandeep Bhagwati, Filipa César, Ann Cotten, Kate Crawford, Lorraine Daston, Simon Denny, Karin Harrasser, Yuk Hui, Alexander Kluge, Sybille Krämer, Armin Linke & Giulia Bruno, Yucef Merhi, Trevor Paglen, Odete Semedo, Helge Schneider, Slavs and Tatars, Felix Stalder, Hito Steyerl, Yoko Tawada, Joseph Vogl u. v. a.

Kuratiert von Bernd Scherer in Zusammenarbeit mit Olga von Schubert.

Interviews und weitere Informationen:

Pressebilder zum Download: hkw.de/pressefotos

Mehr zum Projekt: hkw.de/DNA

Das Neue Alphabet (2019–2021) wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Das Haus der Kulturen der Welt wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Auswärtigen Amt.

Pressekontakt:
Anne Maier
Leitung Presse | Pressesprecherin
Haus der Kulturen der Welt
John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin
tel. +49 (0)30 397 87 – 153/196

www.hkw.de