Pressemitteilung vom 01.10.2018

Mississippi. An Anthropocene River

Anthropocene Curriculum

Mississippi. An Anthropocene River
Ein Forschungsprojekt zwischen Wissenschaft, Kunst und Bildung
2018–2019


Am 3. Oktober findet der Auftakt der Initiative „Deutschlandjahr USA 2018-2019“ statt, gefördert durch das Auswärtige Amt, durchgeführt vom Goethe-Institut und unterstützt durch den Bundesverband der Deutschen Industrie. In diesem Rahmen ist das Haus der Kulturen der Welt mit dem Projekt Mississippi. An Anthropocene River in den USA präsent und führt dort die seit 2013 maßgeblich vom HKW geprägte Anthropozän-Debatte weiter.

Der Schlüsselbegriff „Anthropozän“ – das Erdzeitalter des Menschen – ist aus dem gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs nicht mehr wegzudenken. Die Konsequenzen des menschlichen Einflusses auf das Ökosystem Erde nehmen zunehmend gravierendere Formen an, wie etwa die diesjährige Hitzewelle auf der Nordhalbkugel des Planeten erschreckend verdeutlichte. Um inmitten dieses dramatischen Wandels Handlungspotenziale zu identifizieren, stellt das HKW die Frage, welche Formen der Zusammenarbeit aus dem neuen Bewusstsein für die menschliche Rolle im Gefüge von Natur und Technologie erwachsen können. Dazu Intendant Bernd Scherer: „Die Entfesselung der technologischen Welten und damit die anthropozäne Umgestaltung unseres Planeten werden sich weiter beschleunigen. Unsere Denkkategorien halten mit diesen Veränderungsprozessen aber nicht mit. Wir sprechen eine Sprache, die sich auf eine vergangene Welt bezieht. Ich sehe für Kulturinstitutionen deshalb die Aufgabe, Sprachen und damit Handlungsmöglichkeiten für diese rapiden Transformationsprozesse zu entwickeln, die es erlauben, die Art der Veränderungen adäquat verhandeln zu können.“

In dem einjährigen Projekt Mississippi. An Anthropocene River werden die komplexen Interaktionen zwischen Mensch und Umwelt anhand des Mississippi Rivers beispielhaft für das Anthropozän untersucht. Der mitten durch das US-amerikanische „Heartland“ fließende Mississippi zählt zu den größten Flusssystemen der Welt und entlang seines mäandernden Flusslaufs erstreckt sich eine geradezu sinnbildliche Topographie des Anthropozäns. Das Projekt erforscht diesen vielschichtigen, durch menschliche Aktivitäten immer wieder überschriebenen Raum, um ihn in seinen historischen, sozialen und ökologischen Transformationen lesbar zu machen. Vor diesem Hintergrund entwickeln Forscher_innen, Künstler_innen und lokale Akteur_innen entlang des Flusses konkrete, lokale Zugänge zu globalen Veränderungen.

In fünf Field Stations werden transdisziplinäre Feldforschungsteams mit neuen Methoden für Wissenschaft und Bildung experimentieren. Im darauffolgenden Herbst 2019 werden die Field Stations in einer Anthropocene River Journey flussabwärts miteinander verknüpft und die Forschungsinhalte in partizipativen Workshops sowie Exkursionen für das Publikum geöffnet. Den Abschluss der Reise bildet der internationale Anthropocene River Campus in New Orleans vom 9. bis 16. November 2019, bei dem die thematischen Stränge des Projekts in experimentellen Lehrformaten öffentlich reflektiert werden. Ausgerichtet wird diese Abschlussveranstaltung in Kooperation mit dem ByWater Institute der Tulane University.


Eine eigens für das Projekt entwickelte digitale Umgebung wird sowohl als kollaboratives Forschungstool dienen, als auch die Ergebnisse der Forschungsteams und der Beteiligungsformate für die Öffentlichkeit zugänglich machen.
„Mit dem Deutschlandjahr in den USA wollen wir den Austausch mit der amerikanischen Zivilgesellschaft in all ihren Facetten intensivieren. Das Projekt Mississippi. An Anthropocene River nimmt eine der zentralen Fragestellungen in unserer globalisierten Welt auf und vereint in idealer Weise die Forschungen und Erkenntnisse auf beiden Seiten des Atlantik“, kommentiert Christoph Mücher, Projektleiter des Deutschlandjahres in den USA.

Mississippi. An Anthropocene River wird als Kernelement des vom 16. bis 26. April 2020 in Berlin stattfindenden Anthropocene Campus das Mississippi River Valley als Modelllandschaft des Anthropozäns vergleichend vorstellen. Nach sieben Jahren der Zusammenarbeit an experimentellen Wissensformen im Zeitalter des Anthropozän werden das internationale Netzwerk des Anthropocene Curriculum (seit 2013) und die ihm entsprungenen Initiativen erneut am HKW zusammenkommen. Ziel ist es, die Erkenntnispotentiale des Konzepts für neue, erdverbundene Wissens- und Aktionsformen zu entfalten.

Weiterführende Informationen finden Sie unter anthropocene-curriculum.org und hkw.de/mississippi

Mississippi. An Anthropocene River wird entwickelt vom Haus der Kulturen der Welt (HKW), Berlin, und dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG), Berlin, in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern in den USA, Deutschland und international. Es ist Teil des Anthropocene Curriculum (seit 2013), eines internationalen Projekts für experimentelle Formen anthropozäner Forschung und Lehre.

Das Projekt Mississippi. An Anthropocene River ist Teil der Initiative „Deutschlandjahr USA 2018-19“ unter dem Motto „Wunderbar together“. Das „Deutschlandjahr USA 2018-19“ ist gefördert vom Auswärtige Amt (AA), realisiert durch das Goethe-Institut und unterstützt vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Mississippi. An Anthropocene River wird zusätzlich gefördert durch die Max-Planck-Gesellschaft.

Das Projekt Anthropocene Curriculum wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Das HKW wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie das Auswärtige Amt.