Pressemitteilung vom 18.04.2018

Anthropocene Lecture: Bruno Latour 4.5.2018 19h, Haus der Kulturen der Welt

Anthropocene Lectures

Anthropocene Lecture: Bruno Latour
Vortrag und Gespräch
Auf Englisch mit deutscher Simultanübersetzung
4.5.2018 19h, Eintritt frei

Presse-Akkreditierung über:

Im Zentrum aktueller politischer Stürme steht die Klimafrage, argumentiert der Soziologe und Wissenschaftsphilosoph Bruno Latour. Er sieht in ihr die Bedingung gegenwärtiger Geopolitik und betont ihren inneren Zusammenhang mit Ungerechtigkeit und wiedererstarkendem Nationalismus. In seiner Anthropocene Lecture stellt er die Frage, wie wir in dieser Situation wieder festen Boden unter den Füßen gewinnen können.

In seinem gerade auf Deutsch erschienenen Buch Das terrestrische Manifest (Suhrkamp Verlag 2018) betrachtet Latour die ökologische Krise des Anthropozäns als eine grundlegende Krise der Moderne. Diese hat sich in einer Weltdefinition verschanzt, die abstrakt und ohne Bezug zu ihren materiellen Randbedingungen steht. Die Natur schien lange keine Rolle mehr zu spielen, doch jüngst ist sie mit politischer Wirkkraft zurückgekehrt. Die politischen Anomalien der unmittelbaren Gegenwart machen deutlich, dass die gegenwärtigen Angebote, wie auf diese Krise zu reagieren sei, unheilige Allianzen gegen das eigentliche Problem hervorbringen: Während das Kapital sorglos in eine posthumane Hypermoderne voranschreitet wird zugleich die Flucht in nationale oder gar ethnische Egoismen angetreten. Wenn sich jedoch überall in Europa und anderswo Menschen nach der imaginären Heimstatt einer alten nationalen Ordnung zurücksehnen, ist es für Latour entscheidend, jenes neue Territorium zu beschreiben, das sowohl örtliche Verbundenheit erzeugt als auch weltbezogen bleibt. Seinen Entwurf einer „terrestrischen“ Politik, die die ökologischen Gefüge der menschlichen Existenz einbezieht, diskutiert Latour im Anschluss an seinen Vortrag mit Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Die Veranstaltung ist Teil der Anthropocene Lectures, die profilierte Akteur_innen der Anthropozän-Debatte dazu einladen, das Konzept neu zu akzentuieren und weiterzudenken. Das HKW setzt sich seit 2013 mit dem Anthropozän-Konzept als gesellschaftlichem Paradigmenwechsel auseinander. Die Diskussion wird weitergeführt auf anthropocene-curriculum.org, einer transdisziplinären Plattform für anthropozäne Forschung und Lehre, die im Austausch mit internationalen Partnerprojekten entwickelt wird.

Die Reihe Anthropocene Lectures entsteht in Kooperation mit dem Institute for Advanced Sustainability Studies, Potsdam, und dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin. Das Haus der Kulturen der Welt wird durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie durch das Auswärtige Amt gefördert.

Pressekontakt:
Anne Maier
Leitung Presse | Pressesprecherin
Haus der Kulturen der Welt
John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin
tel. +49 (0)30 397 87 – 153/196

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