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Lesung mit Amos Oz & Mirjam Pressler

Internationaler Literaturpreis 2015 | Lange Nacht der Shortlist & Preisverleihung 2015
Mi 8.7.2015

Preisträger 2015

Amos Oz: Judas
Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler | Habesora al pi Jehuda
Suhrkamp Verlag 2015 | Keter, Jerusalem 2014

„Amos Oz gelingt es meisterhaft, in seinem Roman die großen Fragen und Konflikte der Religions- und Zeitgeschichte im Nahen Osten zu erzählen. Er verschränkt Antike und Gegenwart und stellt den Konflikt zwischen Judentum und Christentum der modernen jüdisch-palästinensischen Realität gegenüber. Der Autor reflektiert mittels seiner drei Roman-Figuren – des weltfremden, unentschlossenen Schmuel Asch, des greisen Zynikers Gershom Wald und dessen verwitweter Schwiegertochter Atalja Abrabanel – souverän sein politisch-historisches Wissen und schafft dadurch ein unkonventionelles Stück Weltliteratur. Der Roman ‚Judas‘ stellt die Frage nach dem Verhältnis von Judentum und Christentum anhand der biblischen Judas-Figur neu. Er verknüpft die Problematik des Verrats mit den realpolitischen Geschehnissen in der Gründungsphase des Staates Israel und im andauernden Nahostkonflikt. Das Geheimnis des Buches ist die Darstellung der Stimmungen zwischen den Konfliktparteien, gespiegelt in den Gesprächen zwischen den drei Protagonisten. Mirjam Pressler gelingt mit der deutschen Übersetzung eine feine Nuancierung des Atmosphärischen, das dieses kluge und mehrschichtig konstruierte Werk durchwirkt und trägt.“, begründet die Jury ihre Entscheidung. (Jurykommentar zur Wahl der Preisträger 2015)

Das Leben des jungen Schmuel Asch ändert sich im Winter 1959 von Grund auf: Seine Freundin verlässt ihn, seine Eltern melden Konkurs an, er muss sein Studium abbrechen. Er findet Unterschlupf und Arbeit in einem alten Jerusalemer Haus als Gesellschafter für den rhetorisch gewandten und eigentümlichen Gerschom Wald. Dort begegnet er der schönen und unnahbaren Atalja Abrabanel, Tochter eines verstorbenen Anführers der zionistischen Bewegung. Die drei Protagonisten des Romans wohnen zurückgezogen am Rand der Stadt. Doch Begierde und Neugier wandeln sich in verzweifelte Verliebtheit, lassen im Innern des schüchternen und sensiblen Schmuel einen Sturm losbrechen, er beginnt wieder, sich mit seiner Studienabschlussarbeit über “Jesus in der Perspektive der Juden” zu beschäftigen, verliert sich in dem geheimnisvollen Sog, den Judas Ischariot, die Verkörperung des Verrats und der Niedertracht, auf ihn ausübt und unterhält sich nachts mit Gerschom Wald über Ideale des Zionismus, jüdisch-arabische Konflikte, kurz: über Gott und die Welt. Allmählich entschlüsselt er die Geheimnisse der Bewohner des einsamen Hauses, ihre Verstrickungen und die menschliche Tragödie vor und nach der Gründung Israels im Jahr 1948.