Do, 23. März 2017

Der Zivilisationsstandard - Eine Geschichte der Kontinuität

Mit Brigitta Kuster, David Scott, Christian Nyampeta und Antony T. Anghie

Die Entwicklung des internationalen Rechts und des internationalen Systems von Nationalstaaten baut auf der Idee der „Zivilisation“ auf. Die Teilnehmer*innen gehen diesem Erbe und den damit verknüpften rassistischen Hierarchien des Kolonialismus nach, die sich bis heute in das globale, nationalstaatliche Regelwerk eingeschrieben haben. Anhand einer Reihe von Dokumenten unterziehen sie gerade jene historischen Momente einer Re-Lektüre, an deren Beispiel das „zivilisatorische“ Denken deutlich wird.

Die Künstlerin und Kulturwissenschaftlerin Brigitta Kuster untersucht den Zivilisationsbegriff und dessen Gegenspieler im Verhältnis zur „Kultur“ und bringt Aspekte dessen zur Sprache, was in der kolonialen Produktion sozialer Differenz verworfen wurde.

David Scott untersucht die UN Resolution 1514 (XV) vom 14. Dezember 1960, die kolonialen Ländern und Bevölkerungen ihre Unabhängigkeit gewähren sollte. Er beleuchtet Hintergrund und Entstehung der Resolution sowie die einzelnen Artikel, konzentriert sich auf die in der Resolution verwendete Sprache und fragt, was sie für die Gegenwart bedeutet.
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Der Künstler Christian Nyampeta überträgt die Geschichte der Kontinuität in einen räumlichen Kontext, indem er eine begehbare, indexikalische Installation entwirft, in der ein Moment der Diskontinuität entsteht: Gegenläufige Lesarten historischer Verläufe knüpfen neue Verbindungen und laden zum Dialog ein.
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Der Experte für Internationales Recht Antony T. Anghie wirft einen Blick auf die größeren Zusammenhänge: Er macht deutlich, wie die im 19. Jahrhundert entstandenen imperialen Unterscheidungen zwischen „zivilisierten“ europäischen und „unzivilisierten“ nicht-europäischen Ländern in das neue Vokabular eingeschrieben wurden, das sich im Prozess der Entkolonialisierung entwickelte.
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Zum Mitschnitt der Einführung