Radiophonic Spaces


Do, 01. November 2018 — So, 06. Januar 2019

Wie klingt ein Archiv der Radiokunst? Wie hören wir und wie konstituiert das Hören unser Wissen, unsere Erfahrung von Gegenwart und Welt? Basierend auf den Ergebnissen eines mehrjährigen Forschungsprojekts konzipiert die Radioautorin und Professorin für experimentelles Radio an der Bauhaus-Universität Weimar Nathalie Singer und ein Team von Radioforscher*innen einen Raum der Radiophonie, der vom Künstler, Architekt und Musiker Cevdet Erek gestaltet wird. In diesem können über 200 Arbeiten internationaler Radiokunst von den Besucher*innen individuell gehört und erforscht werden.

Radiophonic Spaces präsentiert Experimente, Produktionsformen und Kompositionsverfahren im, mit und für das Radio, seinen Apparaturen, Studiotechniken und Diskursen. Vermittelt durch eine immersive Audio-Technologie lösen die Besucher*innen mit ihren Bewegungen im Raum wie menschliche Sendersuchnadeln einzelne Werke aus 100 Jahren Radiokunst aus. Cevdet Erek, der den türkischen Pavillon auf der Venedig Biennale 2017 bespielt hat, entwirft dafür speziell eine Architektur, in der das Zusammenspiel von Sound und Raum ermöglicht und erforscht werden kann. Verschränkt wird diese Architektur mit einem digitalen Nachschlagewerk zur Geschichte der Radiokunst. Damit ist Radiophonic Spaces begehbarer Radioraum, experimentelles Archiv, Studio und Bühne des Sounds zugleich.

Radiophonic Spaces setzt aktuelle und historische, bekannte und unbekannte Positionen in Beziehung. Die Schallplattenversuche von László Moholy-Nagy treffen mit dem von Carl Sagan für die Voyager Sonde ausgewählten Signalen zusammen. John Cages Imaginary Landscapes erklingen neben Christoph Schlingensiefs Rocky Dutschke 68. Olaf Nicolai trifft auf Orson Welles, Eran Schaerf und Friederike Mayröcker treffen auf Stereo Total, Antonin Artaud, Ammer & Console, Michaela Melián u.v.a. Darüber hinaus werden u.a. in Kooperation mit nationalen und internationalen Radiosendern Künstler*innen und Forscher*innen dazu eingeladen, den radiophonen Raum zu aktivieren und in Vorträgen, Konzerten und Performances die Geschichte der Radiokunst neu-, um- und weiterzuschreiben.

Radiophonic Spaces ist Teil eines interdisziplinären Forschungsprojekt „Radiophonic Cultures – Sonic Environments and Archives in Hybrid Media System“, das seit 2015 an der Universität Basel und der Bauhaus- Universität Weimar angesiedelt ist. Radiophonic Spaces durchläuft drei Stationen: Im Frühjahr 2018 ist der begehbare Radioraum im Tinguely Museum Basel, im Winter 2018/9 in Berlin und im Sommer 2019 in der Universitätsbibliothek Weimar zu sehen.

Künstlerische Ltg. Radiophonic Spaces: Nathalie Singer, Bauhaus-Universität Weimar. Leitung Forschungsgruppe Radiophonic Cultures: Ute Holl, Universität Basel. In Zusammenarbeit mit ARD, Deutschlandradio, Österreichischer Rundfunk, Schweizer Rundfunk, BBC, Radio France, Deutsches Rundfunkarchiv, Zentrum für Künstlerpublikation Weserburg, Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin, New Radiophonic Workshop, INA/Groupe de Recherches Musicales, Film und Medien Stiftung NRW, Goethe-Institut u.v.a.

Radiophonic Spaces ist ein Projekt der Bauhaus-Universität Weimar in Zusammenarbeit mit dem HKW und wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und Teil von 100 Jahre Gegenwart.

Begehbarer Radioraum, experimentelles Archiv, Studio und Bühne des Sounds

01.11.2018 – 06.01.2019