Die Matrix aller möglichen Erzählungen


Do, 13. September 2018 — Mo, 07. Januar 2019

Was sind die Möglichkeitsbedingungen und Grenzen von Erzählung? Was machte es möglich, dass bestimmte Geschichten zu bestimmten Zeiten erzählbar wurden und nicht andere? Gibt es eine "Geschichte aller Geschichten", eine gemeinsame Struktur aller Mythen und der mündlichen und schriftlichen Überlieferungen? Was sind die Genealogien der Erzähltheorien? Und wie verändern sich gegenwärtig die Funktion und Möglichkeit kultureller Narration unter der Bedingung mathematisch-technologischer Formalisierungen?

Die Matrix aller möglichen Erzählungen widmet sich den Ursprüngen und Krisen der großen Erzählungen und der Meta-Geschichten, vor dem Hintergrund der überall schwelenden Konflikte um die Definitionshoheit historischer Überlieferungen und Identitäten. Die Ausstellung versammelt historische Materialien aus Literatur, bildender Kunst, Archäologie, Anthropologie und Mathematik, von der Vormoderne über die Neuzeit bis in unsere Gegenwart. Das Projekt widmet sich den intellektuellen Ambitionen und der selbstzugeschriebenen Autorität von Schriftkulturen, die Welt in ihrer Gesamtheit zu interpretieren. Eine "Matrix der Geschichten" setzt dabei in einem ganz konkreten medientechnischen Sinne die Geschichte der Matrix voraus: die grafischen Möglichkeiten von Matrixtabellen mit Listen und Spalten, von Achsen und Feldern in Territorien und auf Ton, Papyrus, Pergament und Papier. Die Suche nach einer Matrix aller möglichen Erzählungen wird aber immer auch mit der eigenen Unmöglichkeit konfrontiert. Über mündliche, visuelle und textliche Dokumente und unter besonderer Berücksichtigung der Geschichte der universalhistorischen Entwürfe vom 18. Jahrhundert bis zum angeblichen "Ende der Geschichte" geht es der Matrix aller möglichen Erzählungen darum, auf eine Erzählung hinzuarbeiten, die vielleicht erst noch möglich werden muss.

Kuratiert von Anselm Franke, Nida Ghouse, Erhard Schüttpelz

Im Rahmen von Kanon-Fragen

Ausstellung und Diskursprogramm

13.09.2018-07.01.2019