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No! Music


Do, 09. November 2017 — So, 12. November 2017

Pussy Riot | Foto: Akerlund Maga

Pussy Riot | Foto: Akerlund Maga

Es gab eine Zeit, da war in der Popkultur Raum für die Verweigerung, das Nicht-Mitspielen, das Leben und Handeln nach eigenen Regeln. Heutzutage, da „Independent“ und „Underground“ nur noch Bezeichnungen musikalischer Stile sind, die nichts mehr mit Haltungen zu tun haben, stellt sich die Frage: Gibt es für Musiker*innen noch die Möglichkeit, im großen kapitalistischen Spiel nicht mitzumachen? Gibt es ein Musikmachen ohne die Hard- und Software der einschlägigen Anbieter? Ohne Social Media? Ohne Anbindung an die Infrastruktur der Unterhaltungsindustrie mit ihren Labels, Agenturen, Ticketing-Dienstleistern und Spielstätten? Sind die letzten Möglichkeiten, das Nicht-Einverständnis zum Ausdruck zu bringen, der dezent kritische Songtext und das überklebte Logo auf dem Laptop? Ist die letzte Alternative: mitmachen oder nichts machen?

Die Thementage No! Music machen sich auf die Suche nach den Verweigerer*innen und den Möglichkeiten des Widerspruchs in der Musik: Künstler*innen, die quer zur Musikindustrie, zu den Erwartungen des Musikmarkts arbeiten, gegen einengende Hör- und Auftrittsgewohnheiten. Musiker*innen, deren Arbeiten das Unwohlsein angesichts von Vermarktungsmechanismen verhandeln, die nicht mitspielen wollen oder die angesichts allgegenwärtiger auditiver Reizüberflutung gar mit dem radikalsten Bruch, der Negation des Klangs selbst experimentieren. Und sie thematisieren die Klänge, die nicht gehört werden dürfen – zensierte und verbotene Musik.

No! Music wird eröffnet mit einem Konzert von Pussy Riot und einem Statement von Nadja Tolokonnikova, zeitkratzer stellen anhand von La Monte Youngs Poem for Tables, Chairs, Benches and other Sound Objects und John Whites Drinking & Hooting Machine die Frage, wo Musik anfängt und wo sie aufhört. Weitere Konzert-Highlights sind ein neues Werk der Saxofonistin und Komponistin Matana Roberts, das sie exklusiv für No! Music komponiert hat und zusammen mit dem Chor der Kulturen der Welt erstaufführen wird; einer der seltenen Auftritte des texanischen Noise-Poeten Jandek, der seit Beginn der 1980er Jahre seinen ganz eigenen künstlerischen und ökonomischen Weg geht; und ebenfalls als Auftragsproduktion covert der brasilianische Nachwuchsstar Tiganá Santana das berühmte Album Milagre dos peixes von Milton Nascimento. Das Album hatte Nascimento 1973 in letzter Sekunde fast komplett mit Tonsilben neu eingesungen, nachdem die staatliche Zensurbehörde erhebliche Korrekturen an den Texten verlangt hatte.

Am Samstag, dem 11.11. wird der von dem schottischen Musiker und Künstler Bill Drummond initiierte No Music Day gefeiert, u. a. mit einer Lecture Performance von Drummond selbst sowie der Vorführung seines Films Imagine Waking Up Tomorrow And All Music Has Diasppeared. Später am Abend feiern bei der 4:33 Gala diverse Bands und Künstler*innen John Cages berühmtes gleichnamiges Werk. Schließlich führt der japanische Sound Artist Toshimaru Nakamura seine No Input Mixing Desk-Musik auf.

Dazu kommen weitere Konzerte, Film-Vorführungen, Installationen und Panel-Diskussionen.

No! Music wird von HKW-Musikkurator Detlef Diederichsen zusammen mit Martin Hossbach kuratiert, Autor, Labelbetreiber und Musikkurator u. a. des Berliner Festivals Pop-Kultur.

Mit Pussy Riot, zeitkratzer, Bill Drummond, Matana Roberts, Jandek, Tiganá Santana, Toshimaru Nakamura u.v.a.

Im Rahmen von 100 Jahre Gegenwart

09. — 12.11.2017
Thementage
Konzerte, Performances, Filme, Talks, Installationen

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