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Wohnungsfrage-Akademie
The Housing System

22.–28. Oktober 2015

Erbil, Irak | Von der UNESCO als der am längsten durchgängig bewohnte Ort der Welt identifiziert | © Jim Gordon, 2007, Photograph, CC-BY 2.0

Erbil, Irak | Von der UNESCO als der am längsten durchgängig bewohnte Ort der Welt identifiziert | © Jim Gordon, 2007, Photograph, CC-BY 2.0

Die Wohnungsfrage ist universell. In verschiedener Hinsicht und an unterschiedlichen Orten thematisiert sie die unmittelbaren Herausforderungen, die unsere Zeit definieren: soziale Ungleichheit, ökologische Krise, Vertreibung, Flucht, Migration, Privatisierung und mehr. Vor diesem Hintergrund möchte das Haus der Kulturen der Welt (HKW) die Wohnungsfrage im Sinne eines globalen „Housing Systems“ neu denken. In den anderthalb Jahrhunderten seit dem Erscheinen der Artikelreihe von Friedrich Engels „Zur Wohnungsfrage“ (1872) haben sich die von ihm beobachteten Strukturen zu einem globalen System entwickelt. Dieses System bildet den theoretischen und praktischen Ansatz der Wohnungsfrage-Akademie unter der Leitung von Reinhold Martin (Buell Center, Columbia University) in Zusammenarbeit mit Nikolaus Hirsch (Co-Kurator des HKW-Projekts Wohnungsfrage). Die einwöchige Akademie bringt Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen, Künstler*innen und andere Expert*innen aus unterschiedlichen Bereichen und Disziplinen zusammen und ermöglicht so eine interdisziplinäre Untersuchung dieses Systems.

Das HKW-Projekt Wohnungsfrage initiiert neue Formen transdisziplinärer Diskurse und Forschungen und bildet den Rahmen für die Akademie. Es untersucht die Beziehung zwischen Architektur, Wohnungsbau und gesellschaftlicher Realität. In einer Ausstellung experimenteller Wohnungsformate, einer Publikationsreihe, einem diskursiven öffentlichen Programm und der internationalen Wohnungsfrage-Akademie will das Projekt einen Diskurs über sozialen, bezahlbaren und selbstbestimmten Wohnungsbau anregen. Das Wohnungsfrage-Programm, kuratiert von Jesko Fezer, Nikolaus Hirsch, Wilfried Kuehn und Hila Peleg, zielt darauf ab, einen gemeinschaftlichen Prozess zwischen internationalen und lokalen Akteuren aus Architektur, Stadtplanung, Politik, Kunst, Wissenschaft und Aktivismus anzuregen.

Der Begriff „Housing System“ beschreibt ein Feld transnationaler Beziehungen, ein Netz von Interaktionen, die sich nicht auf offizielle Stadtplanung, architektonische Typologien oder Marktmechanismen reduzieren lassen. Er bezieht sich auch nicht auf unspezifische „globale“ Verknüpfungen. Vielmehr handelt es sich um ein höchst spezifisches Zusammenspiel von Gesetzen, Politik, Investitionen, Aktivitäten, Objekten, Vorschlägen, Praktiken und Vorstellungen, zusammengehalten und zugleich voneinander getrennt durch technologische, finanzielle, soziale, institutionelle und räumliche Infrastrukturen.

Die Akademie hat drei grundlegende Ziele: erstens, den Teilnehmer*innen die analytischen Instrumente für das Verständnis des Housing Systems zur Verfügung zu stellen, um es überall und in jedem seiner Einzelteile erkennen zu können – in einem einzelnen Häuserblock, einem einzelnen Gebäude oder einem einzelnen Zimmer. Ausgangspunkt ist, zu lernen, unterschiedliche Subsysteme zu lesen und sich mit ihren Komplexitäten auseinanderzusetzen. Das zweite Ziel ist, spezifische Hegemonien und die Funktionsweisen von Macht und Ausbeutung, Ungleichheit und Ausgrenzung, die das System formen, zu identifizieren. Drittens soll eine Diskussion um Alternativen angeregt werden – und Möglichkeiten, diese kritisch zu reflektieren. Auf Basis dieser Erkenntnisse sollen Handlungsmöglichkeiten ausgelotet werden. Gemeinsam mit sechzehn Tutor*innen werden sechzig Akademieteilnehmer*innen eine Reihe von internationalen Beispielen aus dem Housing System im Detail untersuchen. Sie werden dieses Material in unterschiedlichen Formaten und Konstellationen interpretieren, analysieren und ergänzen. Dabei werden sie Fakten herausarbeiten und Werte vergleichen, Geschichte erzählen, Annahmen diskutieren, Hypothesen überprüfen und Strategien skizzieren.

Tutor*innen sind u.a.:
Daria Bocharnikova (Harvard University, Davis Center for Russian and Eurasian Studies; Cambridge, MA), Kenny Cupers (Universität Basel), Catherine Fennell (Columbia University, Department of Anthropology; New York), Mariana Fix (Unicamp, Instituto de Economia, Centro de Estudos de Desenvolvimento Econômico - CEDE; Campinas, São Paulo, Brasilien), Andrew Herscher (University of Michigan, Alfred Taubman College of Architecture and Urban Planning), Sandi Hilal (DAAR - Decolonizing Architecture Art Residency; Beit Sahour, Palestina), Li Hu (OPEN Architecture, Peking), Anne Kockelkorn (ETH Zürich, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur), David Madden (London School of Economics and Political Science – LSE, Department of Sociology), Mpho Matsipa (Wits University, Wits School of Architecture and Planning; Johannesburg / Columbia University, Columbia Graduate School of Architecture, Planning and Preservation; New York), Philipp Misselwitz (Technische Universität Berlin, Department of Architecture, Habitat Unit), Andrea Phillips (PARSE Professor of Art, Valand Academy, University of Gothenburg), Damon Rich (Designer, Stadtentwickler und Künstler; Newark, New Jersey), Susanne Schindler (Columbia University, Buell Center / ETH Zürich), AbdouMaliq Simone (Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften; Göttingen / Goldsmiths - University of London), Ashok Sukumaran (Architekt und Medienkünstler; Mumbai) und Jeronimo Voss (Bildender Künstler; Frankfurt am Main).

Sample Atlas: Anne Kockelkorn / Reinhold Martin