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Die Spur des Anderen

Patrick Chamoiseau | Beate Thill

Patrick Chamoiseau: Die Spur des Anderen
Aus dem Französischen von Beate Thill | L'empreinte à Crusoé
Verlag Das Wunderhorn 2014 | Éditions Gallimard, Paris 2012

„Patrick Chamoiseau gelingt hier die nuancierte Neuschreibung des Robinson-Mythos – ein Meisterwerk, in welchem der Protagonist, ein nunmehr schwarzer Schiffbrüchiger, keine westliche Projektionsfigur ist, sondern stolzer Erfinder seiner selbst. Ein Bewusstseinskrimi, der europäischen Rationalismus zu weiten versteht, ohne ihn zu denunzieren, ein Fest der Literatur, dargeboten in einer ebenso sinnlichen wie fluide komplexen Sprache – und dazu kongenial ins Deutsche übertragen von Beate Thill.“ (Jurykommentar zur Shortlist-Nominierung 2015)

Die Spur des Anderen

Die Spur des Anderen

Ein Mythos des Robinson weitergeschrieben: Der Held des Romans, ein westafrikanischer Schiffsjunge, der von seinem Kapitän wegen Ungehorsams ausgesetzt wird, strandet auf einer einsamen Insel, verliert sein Gedächtnis. Wie bei der literarischen Vorbildfigur erstattet er Bericht von seinem Überleben als Gestrandeter und wie er sich aus eigener Kraft, mit gefundenen Schiffsüberresten und den Mitgebseln des Kapitäns (philosophischen Broschurheften) Grundlagen für das Überleben schafft. Wie in Defoes Crusoe sieht der Leser dem Helden zu, wie er mit seinen Abenteuern reift, die Einsamkeit zu ertragen lernt, souverän und heiter wird, aber möglicherweise kein Europäer ist, denn seine Erinnerungen bringen Bilder aus einer anderen Kultur zutage. Chamoiseaus Robinson muss seine Identität neu definieren, wird schließlich aufgesucht vom Kapitän Crusoe, der Jahre später zurückkehrt, um zu sehen, was aus seinem ausgesetzten Schützling geworden ist.

Patrick Chamoiseau | © Jacques Sassier/Editions Gallimard

Patrick Chamoiseau | © Jacques Sassier/Editions Gallimard

Der Autor

Patrick Chamoiseau, geboren 1953 auf Martinique, studierte in Frankreich Recht und Sozialwirtschaft und arbeitete zunächst als Sozialarbeiter. Nach seiner Rückkehr auf die Antilleninsel Martinique widmete er sich in seinen zahlreichen Texten der Erforschung der kreolischen Kultur. Er veröffentlichte Theaterstücke, Romane, Erzählungen und literarische Essays, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Für seinen Roman Texaco erhielt er 1992 den Prix Goncourt.

Zuletzt auf Französisch erschienen:
Césaire, Perse, Glissant, les liaisons magnétiques; Éditions Philippe Rey 2013
Hypérion Victimaire; Éditions La Branche 2013
Le Papillon et la Lumière; Éditions Philippe Rey, Paris 2011

Zuletzt auf Deutsch erschienen:
Patrick Chamoiseau & Édouard Glissant: Brief an Barack Obama. Die unbezähmbare Schönheit der Welt, übersetzt von Beate Thill; Verlag Das Wunderhorn 2011 (L'intraitable beauté du monde. Adresse à Barack Obama; Galaade Éditions, Paris 2009)

Beate Thill | © Sabine Schnell

Beate Thill | © Sabine Schnell

Die Übersetzerin

Beate Thill, 1952 geboren, studierte Anglistik und Geografie. Sie arbeitet als Redakteurin für den Rundfunk und verfasst Texte zu Themen der Übersetzungstheorie, des Feminismus und zur Filmtheorie. Als literarische Übersetzerin aus dem Englischen und Französischen arbeitet sie mit dem Schwerpunkt Literatur aus „dem Süden“, vor allem aus Afrika und der Karibik, und hat Werke von u.a. Assia Djebar, Abdelwahab Meddeb und Tchicaya U Tam‘si übersetzt. Das Werk des Dichters und Kulturkritikers Édouard Glissant hat sie für den deutschen Buchmarkt entdeckt, seine Werke übersetzt sowie eine Anthologie seiner Gedichte herausgegeben. Für die Übersetzung des Langpoems Das Rätsel der Rückkehr von Dany Laferrière erhielt sie 2014 den Internationalen Literaturpreis.

Zuletzt erschienen:
Dany Laferrière: Tagebuch eines Schriftstellers im Pyjama, Verlag Das Wunderhorn 2015 (Journal d’un écrivain en pyjama; Mémoire d'encier, Montreal 2013)
Dany Laferrière: Das Rätsel der Rückkehr, Verlag Das Wunderhorn 2014 (L'énigme du retour; Éditions Grasset & Fasquelle, Paris 2009/ Les Éditions du Boréal, Montréal 2009)
Assia Djebar: Nächte in Straßburg; S. Fischer Verlag 2012 (Les nuits de Strasbourg; Babel, Paris 1997)
Patrick Chamoiseau & Édouard Glissant: Brief an Barack Obama. Die unbezähmbare Schönheit der Welt; Verlag Das Wunderhorn 2011 (L'intraitable beauté du monde. Adresse à Barack Obama; Galaade Éditions, Paris 2009)
Édouard Glissant: Das magnetische Land: Die Irrfahrt der Osterinsel Rapa Nui ; Verlag Das Wunderhorn 2010 (La terre magnétique : les errances de Rapa Nui, l'île de Pâques; Éditions du Seuil, Paris 2007)