Bibliothek 100 Jahre Gegenwart

Bibliothek 100 Jahre Gegenwart

Bibliothek 100 Jahre Gegenwart

Das Jetzt regiert und nimmt den gesamten Zeitraum in Anspruch, der uns zur Verfügung steht. Unter dem Druck der Gegenwart fehlen zeitgenössischem Denken oftmals sowohl das Geschichtsbewusstsein als auch der Zukunftshorizont. Die Publikationsreihe Bibliothek 100 Jahre Gegenwart stellt dem überkommenen Verständnis von Gegenwart andere Zeitentwürfe entgegen.

Die einzelnen Bände nehmen jeweils die Zeitspanne eines Jahrhunderts in den Blick, um die historischen Umwälzungen in Politik, Ökonomie, Spiritualität, Technologie und Kultur zu untersuchen, die die Gegenwart ebenso prägen wie die Zukunft. So sollen Transformationen identifiziert werden, zu denen alternative Ausgänge denkbar waren, und Kontinuitäten aufscheinen, an die sich anknüpfen lässt.

Die Reihe greift zentrale Fragen der letzten hundert Jahre nachhaltig wieder auf: die Wohnungsfrage, die Aktualität der künstlerischen Avantgarden, den Zusammenhang von Krieg und Technologie, den Einfluss historischer feministischer und anarchistischer Bewegungen, Fragen politischer Ordnungssysteme, Störfälle im Metabolismus des Planeten, Datenproduktion und Kybernetik und nicht zuletzt Auffassungen von Geschichte und Zeit selbst. Wo wurden Potenziale nicht entwickelt, wo blieben Fragen unbeantwortet und wo bietet die Geschichte Alternativen? Wie kann Vergangenheit nicht als Relikt, sondern als gelebte Erfahrung in die Gegenwart eingebracht und für die Zukunft fruchtbar gemacht werden?

Die Bände der Bibliothek 100 Jahre Gegenwart, erschienen bei Matthes & Seitz in Berlin, verstehen sich als paradigmatische Tiefenbohrungen, die modellhaft neue Formen der Auseinandersetzung mit aktuellen Themen vorführen. Sie spiegeln damit die Veranstaltungsprogramme des Vierjahresprojekts 100 Jahre Gegenwart 2015 – 2019 und werden durch das abschließende Wörterbuch der Gegenwart komplettiert.

Die Zeit der Algorithmen

Die Zeit der Algorithmen

Die Zeit der Algorithmen

1. Band, November 2016
Herausgegeben von Bernd Scherer

Wie kam es zur Fixierung auf eine Gegenwart, die uns aus dem Strom der Zeit und damit aus etablierten Sinnsystemen herauslöst? Im Einführungsband untersuchen Bernd Scherer, Intendant des HKW, und Helga Nowotny, emeritierte Professorin für Wissenschaftsforschung an der ETH Zürich, wie sich die Vorstellungen von Zeit zwischen Kapitalismus, kriegerischem Konflikt und technologischem Fortschritt entwickelt haben, wie wir Zeit heute erleben, was das für die Erfahrung und Gestaltung der Eigenzeit bedeutet und welche Auswege es aus dem von Algorithmen vorgegebenen Raster von Taktung und Beschleunigung geben könnte. Mehr zum Buch

Wohnungsfrage

Wohnungsfrage

Wohnungsfrage

2. Band, Februar 2017
Herausgegeben von Jesko Fezer, Nikolaus Hirsch, Wilfried Kuehn und Hila Peleg

Wohnungsmangel, Verdrängung, Luxussanierungen, Geflüchtetenunterkünfte – nach Jahrzehnten, die durch einen angeblich selbstregulierenden Markt geprägt waren, ist die Wohnungsfrage als gesellschaftspolitisches Thema zurück: Wie wollen wir in Zukunft leben, wie sollen unsere Städte aussehen? Eine Analyse der historischen Topoi, die das Wohnen bis heute bestimmen: Ungleichheit, Nachbarschaft, Migration, Leben und Arbeiten. Und die Forderung nach einer neuen Wohnungspolitik. Mehr zum Buch

Krieg singen

Krieg singen

Krieg singen

3. Band, Februar 2017
Herausgegeben von Detlef Diederichsen und Holger Schulze

Wieso gehen Krieg und Musik so gut zusammen? Bei Kriegspropaganda, Kriegshetze und – ganz aktuell – als Soundtrack von bestialischen Mordvideos kommt Musik eine entscheidende Rolle zu. Dem gegenüber stehen eine Vielzahl von Musiken, die Frieden und Gewaltlosigkeit beschwören, und so etwas wie musikalische Trauerarbeit. Die Publikation versammelt theoretische Reflexionen, Textcollagen und Interviews zur Verbindung von Krieg, Technologie und Musik. Mehr zum Buch

Nervöse Systeme

Nervöse Systeme

Nervöse Systeme

4. Band, Februar 2017
Herausgegeben von Anselm Franke, Stephanie Hankey und Marek Tuszynski

Das Nervensystem ist heute zum Leitmotiv einer immer nervöseren, technologisch hochgerüsteten Zeit geworden. Unternehmen sprechen von »smart nerves« und »synaptischen Echtzeit-Verbindungen« als organisatorische Lösungen für nahezu jedes Problem, egal ob in Staatsapparaten, Wirtschaft oder Ökologie. Der Band untersucht, wie das neue Vertrauen in technologische Lösungen und datenbasierte Algorithmen, getragen von Datenanalysen, Reality Mining, Mustererkennung und Prognosen, unser Verständnis des »Selbst« und des »Sozialen« verändert hat. Dabei verortet er die Auseinandersetzung mit Daten in sozialen und politischen Strategien der letzten hundert Jahre. Mehr zum Buch

Pop 16

Pop 16

Pop 16
100 Jahre produzierte Musik

5. Band, Februar 2017
Herausgegeben von Detlef Diederichsen und Florian Sievers

Ähnlich wie die Fotografie das Licht, hielten Wachswalzen und Schellack-Schallplatten vor hundert Jahren erstmals die Klänge ihrer Zeit fest. Ein Schritt mit weitreichenden Folgen: Er veränderte nicht nur, wie Menschen fortan Musik hören sollten, sondern wirkte auch auf die Musik selbst zurück. Wie prägten die ersten produzierten, also bewusst klanglich gestalteten Aufnahmen unsere Hörgewohnheiten? Wie transformierten die Tonträger, die fortan ohne menschliche Begleitung um die Welt reisten, ganze Musikstile? Ausgehend von den technologischen Innovationen vor rund hundert Jahren, untersucht der Band die Genres, Ästhetiken und sozialen Kategorien, die daraus entstanden und teils bis heute gültig sind.
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2 oder 3 Tiger

2 oder 3 Tiger

2 oder 3 Tiger
Koloniale Geschichten, Medien und Moderne

6. Band, erscheint November 2017
Herausgegeben von Hyunjin Kim und Anselm Franke

Basierend auf der gleichnamigen Ausstellung versammelt dieser Band Aufsätze führender Intellektueller aus dem ostasiatischen Raum. Der Tiger wird hier zum Ausgangspunkt für eine Reflexion über Modernisierungsideologien und die Art und Weise, wie sich Kultur und Leben unter den herrschenden Verhältnissen verändern und Identitäten destabilisiert beziehungsweise verhärtet werden. Die Moderne wird dabei als koloniales Schema reflektiert, das sich in der Geschichte der Nationalstaaten, der Militarisierung und Finanzialisierung fortschreibt; aber auch als umfassende Neuordnung der Welt und der Weltbilder, die in den meisten Gesellschaften in den vergangenen 200 Jahren zu einer tiefen Bewusstseinskrise geführt hat.
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Utopie und Feminismus

Utopie und Feminismus

Utopie und Feminismus

7. Band, erscheint Dezember 2017
Herausgegeben von Annemie Vanackere und Sarah Reimann

Die Russische Revolution schuf das fortschrittlichste, gänzlich geschlechtsneutrale Ehe- und Familienrecht, das die moderne Welt je gesehen hatte. Homosexualität, deren Propagierung im heutigen Russland unter Strafe steht, wurde im Russland des Jahres 1918 legalisiert. Die Anfänge der Russischen Revolution waren nicht nur ihrer, sondern auch unserer Zeit voraus. Ihre Träume wie ihre Praxis sind nicht nur schon wieder gegenwärtig, sondern auch immer noch zukünftig. Der gemeinsam mit dem Theater HAU Hebbel am Ufer entwickelte Band beschäftigt sich, ausgehend von den Texten der feministischen Autorin Alexandra Kollontai und den Produktionen von Künstler*innen, die vom HAU Hebbel am Ufer eingeladen wurden, mit dem Wandel historischer Utopien der Gleichheit in den letzten hundert Jahren.
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Schools of Tomorrow

Schools of Tomorrow

Schools of Tomorrow

8. Band, erscheint März 2018
Herausgegeben von Silvia Fehrmann

Schulreform jagt Schulreform – zur Erschöpfung von Lehrer*innen wie Eltern. Das Bildungswesen soll fit gemacht werden für eine durchökonomisierte Zukunft, die aber die wenigsten herbeisehnen. Vor hundert Jahren hingegen versuchten Reformpädagog*innen weltweit, Möglichkeiten für ein neues Handeln und Denken zu schaffen. Der Band geht der Frage nach, wie sich die experimentellen Praktiken der Vergangenheit auf das heutige Lernen unter digitalen Bedingungen anwenden lassen. Wie können Schulen zu Orten werden, in denen alternative Zukunftsentwürfe entstehen?
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Kosmismus

Kosmismus

Kosmismus

9. Band, erscheint März 2018
Herausgegeben von Boris Groys und Anton Vidokle

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verfolgten die russischen Denker*innen des Kosmismus das Ziel, die Menschen durch Technologie unsterblich zu machen. Auf diese Weise sollte das christliche Versprechen der Wiederauferstehung im Hier und Jetzt eingelöst werden. Eine zentrale Rolle spielten bei diesem Unterfangen die Künste, die aufgrund ihrer Fähigkeit, Dinge zu verewigen, als den Naturwissenschaften und der Medizin ebenbürtig angesehen wurden. Ausgehend vom historischen Kosmismus nimmt der Band angesichts neuer philosophischer Strömungen wie Spekulativer Realismus, Neuer Materialismus sowie Transhumanismus den Materialismus als zentralen Denkmodus des 20. Jahrhunderts in den Blick. Auf den Spuren aufeinanderfolgender Generationen von Künstler*innen, die seit der historischen Avantgarde vom Kosmismus geprägt wurden, wird dessen utopisches Potenzial erkundet.
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Die Jetztzeit der Monster

Die Jetztzeit der Monster

Die Jetztzeit der Monster

10. Band, erscheint Oktober 2018
Herausgegeben von Katrin Klingan, Nanna Heidenreich und Rana Dasgupta

Das 20. Jahrhundert, das angetreten war, die großen Fragen wie Ungleichheit, Armut und Kolonialismus zu überwinden, ist zurück auf Los gesetzt: »Es ist die Zeit der Monster«, wie eine vielzitierte Eintragung aus Gramscis Gefängnisheften nach dem Ersten Weltkrieg lautet. Unsere Gegenwart ist von Auflösungsprozessen bestehender Ordnungen bestimmt, zugleich haben sich Ordnungsvorstellungen tief in Denken und Handeln eingeschrieben. Eine davon ist der Nationalstaat, dessen Strukturen Recht und Entrechtung, Ein- und Ausschlüsse, Gesellschaft und Subjektivierungsprozesse bestimmen. Der Band befragt das Ordnungssystem Nationalstaat, untersucht, wie seine Mechanismen die heutige Weltordnung strukturieren und regt an, über seine Grenzen hinauszublicken.
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Technosphäre

Technosphäre

Technosphäre

11. Band, erscheint Oktober 2018
Herausgegeben von Katrin Klingan und Christoph Rosol

Was geschieht, wenn Technologien und Techniken zu planetarischen Akteuren werden? Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat sich mit der Technosphäre eine neue Komponente des Erdsystems etabliert, vergleichbar in ihrer Wirkmacht und Funktion mit der Bio- oder Hydrosphäre. Das Zusammenfallen von natürlichen Umwelten mit technischen Infrastrukturen und die nahezu unkontrollierbare evolutionäre Dynamik einer wachsenden »technologischen Artenvielfalt« stellen neue Fragen nach den Ingangsetzungen und Operationsweisen einer All-Gegenwart des Technischen: Wie verschieben sich die Ränder dessen, was Leben ist? Welche Autonomien besitzt die Technik? Welche Gestaltungsräume öffnen oder schließen sich mit dem neuen Weltgefüge?
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Wörterbuch der Gegenwart

Wörterbuch der Gegenwart

Wörterbuch der Gegenwart

12. bis 14. Band, erscheint Januar 2019 (in drei Bänden)
Herausgegeben von Bernd Scherer, Olga von Schubert und Stefan Aue

Sprache hat die Eigenschaft, Realität nicht nur abzubilden, sondern auch zu formen. Begriffe und das, was sie bezeichnen, sind immer Teil historischer Aushandlungsprozesse und formulieren eine bestimmte Perspektive auf die Welt. Wie können wir uns über unsere globalisierte Gegenwart verständigen, wenn Wörter und ihre Bedeutungen wesentlich durch eine Kontinuität historischer Deutungsmuster geprägt sind? Das Wörterbuch der Gegenwart möchte am Beispiel der zwölf Begriffe Sprache, Zeit, Wahrheit, Körper, Tier, Ding, Gewalt, Angst, Markt, Bild, Forum und Gerechtigkeit universalistischen sprachlichen Festschreibungen der Moderne spezifische Positionen der Gegenwart entgegensetzen. In dieser Pluralisierung zeitlicher und räumlicher Begriffskontexte werden nicht nur die lokalen und historischen geschlechts- und klassenspezifischen Prägungen und ihre machtpolitischen Verflechtungen sichtbar; es entsteht auch das Potenzial für Bedeutungsverschiebungen und Neusituierungen.
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