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Das Haus der Kulturen der Welt in 2012

Zeit neu zu denken. Die Protestwelle, die vor einem Jahr auf dem Tahrir- Platz in Kairo ihren Anfang nahm, die Ereignisse in Fukushima und die Finanzkrise machten 2011 sichtbar, wie entscheidend globale Zusammenhänge unser Leben prägen. Es zeigt sich, dass globale Fragen nicht mehr unbedingt in Europa gestellt werden, geschweige denn vom Westen alleine beantwortet werden können. 2012 rückt das Haus der Kulturen der Welt das Politische in den Fokus. Dabei vertraut es der Fähigkeit der Kunst, das feinste Gespür für unsere Gegenwart zu entwickeln. In Ausstellungen, Festivals und Thementagen lässt sich entdecken, welche Macht Bilder haben, wie Geschichte anders erzählt werden kann und was für Aktionsräume jenseits der westlichen Kulturindustrie entstehen.


Im Januar, genau ein Jahr nach der tunesischen Revolution, lotet das Festival “Meeting Points 6” mit arabischen Künstlerinnen und Künstlern die Logik und Praktiken der Zivilgesellschaft in der arabischen Welt aus. Im Februar erörtern die Thementage “Global Prayers” , wie neue religiöse Bewegungen in den globalen Metropolen Alltag, Gesellschaft und Ökonomie verändern. Im Frühling untersucht das „Berlin Documentary Forum“ das Dokumentarische als einen Modus historischer und politischer Analyse. Es geht nicht darum, politische Statements zu bebildern, sondern um die Fähigkeit der Kunst, ein Seismograph für gesellschaftliche Veränderungen zu sein.


2012 geht das HKW der Frage nach, wie die Künste erfahrbar, sichtbar machen, was durch konventionelle Darstellungsweisen und überlieferte Perspektiven unsichtbar bleibt. Die Ausstellung “Animismus” untersucht die Sprache der westlichen Moderne und legt offen, wie komplex die Grenzziehungen des modernen Weltbilds sind. Das „Berlin Documentary Forum“ hinterfragt die Darstellungsweisen der Medien, der Kunst und der Fotografie und ihre Fähigkeit, Wahrheit und Authentizität herzustellen. Catherine Davids Ausstellung “A Blind Spot” geht unter die Oberfläche der Bilder, um die Offenheit und Unbestimmtheit des fotografischen Bildes zu Tage zu bringen.


Ausgehend von der Architektur der Kongresshalle erkundet die Ausstellung “Art, Architecture and Ideology” , welche Wertesysteme die Räume bestimmen, in denen wir leben und arbeiten, und welche Alternativentwürfe möglich und wünschenswert wären. Auch die Künstler des “Labor Berlin” oder die künstlerischen und wissenschaftlichen Stadtforscher von “Global Prayers” legen tiefliegende Strukturen der Gesellschaft offen. So entwickelt das HKW 2012 eine Archäologie der Gegenwart.


Der neuen Rolle der aufstrebenden Industrienationen tragen Filmfestivals wie das „Busan Film Festival“ und „Première Brasil“ Rechnung. „Wassermusik Süd-Süd “ erkundet in Musik, Filmen und Gesprächen die Wechselbeziehungen zwischen den Ländern des Südens.


Die Fragen der Zukunft standen und stehen bei “Über Lebenskunst” im Mittelpunkt, der Initiative für Kultur und Nachhaltigkeit, die wir gemeinsam mit der Kulturstiftung des Bundes seit 2010 entwickeln. Daran knüpft unser neues Langzeitprojekt „Aufbruch ins Anthropozän“ an. An der Schnittstelle von Kultur, Wissenschaft und Technologie wird dieses Großprojekt 2012 bis 2014 kulturelle Grundlagenforschung betreiben.

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